Lernhilfsmittel in Hundeschulen – Antiautoritäre Hundeschulen

Eine Vielzahl von neu gegründeten Hundeschulen, die sich selbst „Moderne Hundeschule“ oder „Artgerechte Hundeschule“ nennen und antiautoritäre Erziehungsmethoden nach „Neuesten Wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hundepsychologie und Verhaltensforschung“ anbieten, sagen nicht viel Konkretes über ihre Lernziele aus. Fachbegriffe aus der Ausbildung wie:

  • Artgerechte Hundeerziehung/Ausbildung,
  • neue wissenschaftliche Erkenntnisse,
  • rassetypische Eigenschaften,
  • individuelles Lernverhalten,
  • Verhaltenweisen,
  • positive Bestärkung,
  • Grundlagen der modernen Hundeerziehung,
  • Dressur, Zwang, Drill,
  • Strafe, Leinenruck, Korrektur,
  • Klickertraining,
  • Konditionierung nach Pavlow,
  • Hundeerziehung mit sanfter Methode,
  • positive Motivationen, positive Verstärkung,
  • Hundeerziehung ohne Gewalt, ohne Drill, ohne Zwang

und so weiter, sind nur Begriffe die allein nicht viel aussagen und stehen auch nicht in Konkurrenz miteinander.

Ohne die über 100-jährigen Gebrauchshundevereine mit deren Schutzhundesport und ohne die Erfahrung von qualifizierten Hundeausbildern wären Hundepsychologie und Wesens-Verhaltensforschung nicht zustande gekommen. Hundepsychologie und Wesensverhaltenforschung basiert ihr Wissen hauptsächlich auf der praktischen Ausbildung von Hunden mit Lösung von Wesenproblemen. Eine kleinere Prozentualquote daraus entstand aus der Forschung über artgerechte Stalltierhaltung, z. B. im Sinne einer wirtschaftlichen Steigerung der Milch-, Eier und Fleischproduktion und durch Versuche der Artgerechten Tierhaltung für in Gefangenschaft gehaltenen Wildtiere (z. B. Damwild, Strauße) um eine bessere Nachwuchsquote erzielen zu können. Fazit:

Hunde unterstehen menschlichem Einfluss. Daher sind Worte wie: „Artgerechte“ und „Artfremde Ausbildungsmethode“ für den Hund artfremd.

Wenn in Hundeschulen ausschließlich von positiver Bestärkung nach einem erwünschten Verhalten des Hundes gesprochen wird, ignoriert man bewusst, wie reagiert werden sollte, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, wie z. B. Kot fressen. Meist wird im diesen Fall empfohlen, unerwünschtes Verhalten zu ignorieren. Auf diese Weise bestätigt sich die Hilflosigkeit für adäquatere Lösungen von solchen Problemen.

Fundierte Hundeausbildung ist nicht nur auf eine einzige Technik begrenzt sondern auf mehrere, jeweils nach Ermessen und Erfahrungswerte des Ausbilders selbst. Dieser richtet sein Ausbildungsprogramm gezielt nach der Konzentrations- und Lernfähigkeit des Hundes aus. Wie im alltäglichen Leben liegen auch für den Hund sowohl positive wie negative Ereignisse zugrunde, die sein Wesen beeinflussen, d.h. der Hund lernt immer noch durch positive und negative Erfahrungen, umgesetzt durch Motivation, Lob und Korrektur (positiv – negativ). Wie dies geschehen sollte, die Dosierung von Motivation, Lob und Korrektur (auch Tadel) ergibt sich situationsbedingt aus den jeweiligen Erfahrungswerten jener Ausbilder und hauptsächlich durch deren individuelle Kunst. Der Ausbildungsablauf eines zukünftiges Blinden-Führhundes ist anders als der eines künftigen Diensthundes: der Blinden-Führhund soll im Wesen sensibler und aggressionsarm sein, der Diensthund dagegen triebstark, unempfindlich und mit höherem Aggressionspotenzial ausgestattet. Trotz unterschiedlicher Charaktereigenschaften und Ausbildungszielen werden beide Hunde mit ähnlichen Basistechniken auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet, weil das Fundament der Hundesausbildung und des Hundewesens ein und dieselbe ist.

Die selbsternannten so genannten „modernen Hundeschulen“ greifen „die traditionellen Hundeschulen“ an mit Klauseln wie: veraltet, die noch Folterinstrumente benutzen, die für Hunde schmerzhafte Mittel verwenden, wie z.B. Halsketten, Kettenwürger, Stachelwürger und Elektro-Reizgeräte. Als Alternativen verwenden die „Modernen“ Haltis, Gentle-Dog (Bremsgeschirre), Disc`s, Flexileinen und Klicker-Training als von Ihnen benannte artgerechte Hilfsmittel.

Ausschlaggebend durch Dr. Roger Mugford aus England begannen sogenannte „moderne Hundeschulen“ und einige Tierärzte nach seinem Vorbild mit dessen Lehre, diese Denkweise nachzuahmen. Sie halten selbst Welpenspielstunden ab und praktizieren zusätzlich psychologische Betreuung. Herr Dr. Mugford war Angestellter eines Hundefutter-Konzerns  als Chemiker (Geschmackverstärkung von Hundenahrung). Ihn ereilte die Idee, sich selbständig zu machen mit selbst entwickelten Hundeartikeln. Um Anerkennung zu gewinnen, griff er Frau Barbara Woodhouse, die damals bekannteste Hundetrainerin Englands, über die Medien (Fernsehen) an mit den Anschuldigungen, eine brutale Ausbilderin zu sein, weil sie Kettenwürger benutzte und demonstrierte deren Wirkung an seinem eigenen Handgelenk. So brachte er einen Teil der Hundehalter auf seine Seite und wechselte seinen Beruf als Chemiker von Heute auf Morgen zum Hundeausbilder und Hundepsychologen (Quelle: sein eigenes Fachbuch: „Hunde auf der Couch“). Dr. Mugford unterstützte Jeden, der eine Hundeschule gründen wollte über sein System mit von ihm selbst entwickelten Hundeartikeln, Hilfsmitteln, Fachbücher und Filmkassetten.

Die Gleichung „veraltete“ Ausbildung =  Brutalität, ist falsch. Brutalität hat mit Hundeausbildung nichts zu tun. Wahrscheinlich wurde vorsätzlich die Hundeausbildung mit Schutzhundesport gleichgestellt.

Im Schutzhundesport wird mit geeigneten triebstarken Hunden trainiert. Hunde, die das Potential besitzen, auch härtere Korrekturen zu kompensieren, wenn sie im „Trieb stehen“. Der erfolgreichste Hundesport-Trainer kann ohne geeigneten und dafür gezüchteten Gebrauchs- und Sporthund nicht zaubern. Mit andersrassigen Hunden hat auch der Profitrainer Probleme, die Mindestanforderungen der Schutzhundausbildung zu bewältigen, unhabgängig von  Ausbildungstechniken. Wie in jeder Sportdisziplin trainieren auch einige ehrgeizige Hundesportler extrem und auf Kosten ihrer Hunde. Dennoch sind zahlreiche Hundesportler, die mit normalen Ausbildungsmethoden arbeiten, genau so erfolgreich. Hundesport sollte eigentlich Spaß mit dem Hund am gesunden Wettkampf ohne ökonomische Eigennutzung sein. Für sein Freizeithobby investiert der beherzte Hundesportler sehr viel in Geld und Zeit. Im alltäglichen Leben treffen wir auf genügend Beispiele von so manchen ehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder zu sportlichen Erfolgen treiben.

Funktionen von so genannten „negativen Hilfsmitteln“

Halskette:

Die Halskette ist eine Metall-Gliederkette und hat die gleiche Funktion wie ein Leder- oder Kunststoffhalsband. Sie gibt aber im Vergleich zu diesen nicht nach, wenn der Hund an der Leine zieht. Dabei wird verhindert, dass er unter Sauerstoffproblemen leidet und beim Halter Schulter- und Rückenschmerzen entstehen können. Fachlich geführt lernt der Hund mit der Halskette nicht zu ziehen.

Kettenwürger:

Auch Erziehungskette genannt, besitzt er zweierlei Funktionen. Je nachdem wie der Leinenkarabiner eingehängt wird kann man ihn wie eine normale Halskette benutzen oder als Würgekette. Das bedeutet nicht, dass der Hund stranguliert werden soll, sondern durch einen angemessenen fachlichen Leinenruck wird der Hund korrigiert, wenn er z. B. an der Leine zieht. Bei diesem schnellen Leinenruck zieht sich die Kette spontan zusammen und erzeugt einen Kniff am Hundehals, löst sich sofort danach wieder zur lockeren Kette bei nicht gestraffter Leine. Zieht ein Hund trotz Würgekette, dann ist er entweder sehr hoch triebveranlagt und in diesem auch erfolgsgewohnt (in diesem Fall nimmt er auch härtere Strafmaßnahmen in Kauf auf Grund seiner angeborenen Natur) oder dieses Hilfsmittel wurde unfachlich benutzt. Ohne Würgerkette ist die Leinenführung einiges hoch triebveranlagten, kräftigen Hundes oft sehr problematisch.

Kralle:

Fälschlich Stachelhalsband genannt, obwohl die Zacken nicht spitz verlaufen sondern stumpf sind. Sie besitzt eine so genannte Zangenwirkung mit der Simulation eines Hundekniffs in den Hals bei schnellem kurzem Zusammenziehen der Krallenzacken. In der Regel wird die Kralle nur vorübergehend zur Sensibilisierung eingesetzt, wenn Halskette und Würgkette unfachlich benutzt und damit unwirksam wurden, oder wenn ein Hund für seinen Halter körperlich zu stark ist und von ihm an der Leine nicht mehr kontrolliert werden kann. In diesem Fall sollte verhindert werden, dass Schaden gegenüber seinen Halter, Dritten und letztendlich auch für den Hund verursacht wird. Zu Beachten: Der Hundehals ist vollständig von starken Muskelbändern und einer sehr beweglichen dickeren Haut geschützt. Er gilt als der robusteste Körperteil des Hundes. Die einzig empfindlichere Stelle des Halses ist die Kehle (unterhalb des Rachens). Diese liegt nicht wie beim Menschen weiter unten zum Brustkorb hin, sondern ganz oben unter den Unterkiefern. Halsketten werden in der Regel locker am unteren Halsbereich des Hundes getragen, also um eine relativ unempfindliche Stelle. Bisher habe ich von keinem offiziellen tierärztlichen Bericht über angebliche Halsverletzungen durch oben genannte Hilfsmittel erfahren.

Elektro-Impulsgerät:

Der Einsatz von Elektro-Reizgeräten wurde endgültig vom Tierschutzgesetz verboten auf Grund mangelnder Regelung für die Benutzung, der Möglichkeit des leichten Erwerbs für Jedermann, unfachlicher Nutzung (ohne Schulung) und mangelnder Notwendigkeit (Abusus = Tierquälerei).

Elektro-Impulsgeräte sind auf evtl. Schäden behördlich überprüft und waren bis vor kurzem zugelassen. Sie bestehen aus zwei Teilen: dem Empfänger (wie ein Halsband eng befestigt) und dem Sender, ein scalabreit regulierbares Elektro-Impulsgerät mit verschiedenen Funktionen. Damit wird eine Kontrolle über den Hund im Freilauf, auch über weitere Distanzen ermöglicht. Diese Geräte wurden ursprünglich von Jägern, Diensthundeführern, im Schutzhundesport so wie auch in einigen Blinden-Führhundeschulen eingesetzt. Durch regulierbare Elektroimpulse oder durch die Vibrationen konnte der Hund nicht nur mit Negativ-Effekt korrigiert werden (Strafimpuls) sondern auch durch minimale Elektroimpulse, um ein gewünschtes Verhalten des Hundes einzuleiten. Überwiegend wurden Elektro-Reizgeräte zur Korrektur für gravierendes, gefährdendes Fehlverhalten des Hundes eingesetzt, wie z. B. bei ernsthaften Raufern oder bei Hunden, die ständig jagen. Zitat: Nicht allein die Benützung von Hilfsmitteln macht den Nutzer zum Hundeausbilder.

Funktionen von so genannten „positiven Hilfsmitteln“

Halti:

Halti sollte das alternative Hilfsmittel für Halsbänder und Halsketten darstellen. In der Tat kann eine dauerhafte Anwendung des Halti beim Hund bleibende Wesensschäden verursachen. Dieses Kopfgeschirr wird um den Fang des Hundes gelegt, wobei er mit der Leine an seiner Nase geführt wird. Bei Führung an kurzer Leine und Einwirkung hat er keine Möglichkeit seine Kopfhaltung und Blickrichtung zu verändern, selbst bei Eintreten von Gefahren wie z. B. „Rivalenhunde“ (Gesichtsfeldeinschränkung).  Wie bei unfachlicher Krallenführung und Bedienung des Telereizgerätes handelt es sich hier um tierschutzrelevante Handlungen am Hund. Auch eine unfachliche Einwirkung mit Halti auf den Hund ist ebenso tierschutzrelevant. Die Führung mit Halti kann nur empfohlen werden für Hunde mit ernsthaften Raufereigenschaften in Zusammenhang mit Erziehungs- Maßnahmen durch Hundehalter bzw. Trainer.

Gentle Dog:

- auch Bremsi genannt, sollte nach seinem Erfinder auch eine Alternative für „Brutale Folterninstrumente“ wie Halsbänder und Ketten sein. Tatsächlich erfolgt über Gentle Dog eine passive schmerzhafte Einwirkung und zwar durch das Einschneiden der dünnen Gurte in den Achsenhöhlen auf die Schlagadern. Die Benutzung des Bremsi bei jungen und erwachsenen Hunden kann Gesundheitsschäden verursachen.

Disc`s:

Bei Disc´s handelt es sich um miteinander verbundene Metall-Discscheiben zum Werfen gegen den Hund (Erziehungs- Maßnahme), um diesen bei Fehlverhalten auf nähere Distanz zu beeinflussen. Dieses Hilfsmittel ist eine Variante des „Kettenwerfens“ oder das Werfen einer Getränkedose mit ein paar Steinchen gefüllt. Metall-Discscheiben werden im Handel verkauft und sind wenig effizienter (minimale Wirkung).

Flexileine:

Mit der Flexileine kann der Hund lernen, die Gehrichtung zu bestimmen und zu ziehen. Durch die Flexileine hat der Hundehalter meist keine zeitgerechte Einwirkung auf seinen Hund, so dass dieser sich Unmanieren aneignen kann, zu Gunsten von so manchen so genannten „Hundepsychologen“.

Klicker:

Durch Futtergabe in Verbindung mit einem bestimmten Geräusch (klick) wird der Hund unbewusst auf das Geräusch selbst konditioniert (positiver Effekt). Der Hund wird somit von Futter abhängig gemacht und oft wird empfohlen, im Laufe des Tages seine Futterration zu verteilen. Entfernt sich der Hund von seinem Halter, sollte er mit dem gewohnten konditionierten Klickergeräusch zu seiner Bezugsperson zurückkehren. Klicker- Konditionierung mit Tieren wird oft im Circus praktiziert. Die reine passive Konditionierung (ohne gleichzeitige Verstärkung von traditionellen Ausbildungsanwendungen) ist meist nicht auf Dauer erfolgreich: die „Fresslust“ durch „Leckerli“  kann bei erwachsenen Hunden durch andere Reizlagen schwächer werden, zum Beispiel Spielen mit anderen Hunden, jagen etc. Hundeerziehung wird auf einzelne Handlungen konditioniert und damit ist der Hund nicht in der Lage, selbständig Probleme zu lösen.

Da Hunde nicht alle gleich sind, muss auch deren Handhabung und Methode für die Erziehung und Ausbildung variabel sein. Es gibt sensiblere und unsensible Hunde, temperamentvolle und wenig motivierbare Hunde (Phlegmatiker). Ebenso wie in jedem Beruf kompetente oder wenig kompetentere Hunde-Ausbilder.

Herr Franz Breitsamer, Hundesachverständiger in Bayern, definiert die Aggression des Hundes mit folgender Skala:

  1. „ nicht Aggressive Hunde“ (Hunde, die nicht aggressiv auf einen Angriff reagieren, die alles auf sich zukommen lassen, ohne sich zu verteidigen),
  2. „normal Aggressive Hunde“ (Hunde, die aggressiv reagieren, nur um sich zu verteidigen (Selbstschutz -„Abwehrverhalten“),
  3. „Aggressive Hunde“ (Hunde, die bei jeder Gelegenheit Aggressiv agieren gegenüber Artgenossen oder Menschen durch angeborenes höheres Aggressionspotenzial, durch falsche Handhabung oder durch Ausbildung).

Fazit:

Hilfsmittel sind weder negativ noch positiv, sondern Mittel zur durchdachten fachlichen Benutzung durch Hundehalter bzw. Hundeausbilder. Mit einer Schere in der Hand ist nicht gleich jeder ein Friseur!

Eure Astrid Cordova

Moderne sanfte Hundeschule ...

P.S.: Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels bekamen wir folgendes Schreiben von einem Leser die zeitgemäße Hundeausbildung betreffend zugesandt.

Anruf eines Hundebesitzers bei seinem Hundetrainer ...

- Gruber, schönen guten Tag Frau Müller

- Tach Herr Gruber. Na, wie macht sich Ihr Balthasar? Kommen Sie voran?

- Deswegen rufe ich an. Balthasar hat sich in meine Wade verbissen und schüttelt sie.

- Oh. Das ist ein Rückschritt. Aber wir wussten ja, dass das ein langer Weg werden kann.

- Ja. Ich weiß. Aber was mach' ich jetzt? Hölle, tut das weh!...

- Herr Gruber. Sie müssen Ihre eigenen Befindlichkeiten ein wenig zurückstellen. Wie tief beißt Balthasar gerade zu? Mehr als die Hälfte eines halben Hundezahnes?

- Moment. Ich schau' mal....Ja! Und es blutet stark.

- Dann ist es schon Beißgrad 4. ... Okay. ... Das ist eindeutig aggressiv. Haben Sie schon versucht, Balthazar mit Gewalt wegzuzerren, oder ihn zu schlagen?

- Selbstverständlich nicht!

- Gott sei Dank! Sehr gut. Negative Eindrücke bleiben beim Hund stärker haften, als Positive. Das sollten wir auf jeden Fall vermeiden.

- Auuuuua! Aaaaaah!

- Herr Gruber. Bitte! Natürlich darf Ihr Hund spüren, dass Ihnen das nicht gefällt. Aber achten Sie bitte darauf, ihn nicht zu verstören. Er kennt solche lauten Töne von Ihnen doch gar nicht, und das könnte ihn aus seinem seelischen Gleichgewicht bringen.

- Ja, ja. Schon okay.

- Wie weit ist das "Aus" schon gefestigt, Herr Gruber?

- Eigentlich gar nicht - boooaaah, tut das weh! Der Schlingel macht nur "Aus", wenn er dafür sein Lieblingsleckerlie bekommt, und selbst dann nicht immer.

- Okay, dann scheidet das aus. Wir geben Kommandos nur, wenn wir Sie auch durchsetzen können. Nichtwahr, Herr Gruber? - Ja, klar.

- Dann müssen wir ausnahmsweise einmal eine etwas gröbere Methode anwenden, Herr Gruber. Sagen Sie "Nein!". Energisch, aber nicht böse oder drohend. Nur so laut, dass er verblüfft ist. Balthasar ist ein ängstlicher Hund. Wir wollen den kleinen Racker ja nicht traumatisieren.

- Nein, nein. Natürlich nicht! In Ordnung, ich probier's: " Baaalthiii, Nein! "

- Was macht Balthasar?

- Er schüttelt. Ingeboooorg! Würdest Du bitte mal mein Blut vom Boden aufwischen? Balthipupsi bekommt ja ganz nasse Pfoten!

- Herr Gruber. Ich denke, da hilft dann nur noch Ignorieren. Vermeiden Sie jeden Blickkontakt, sprechen Sie nicht mit ihm, berühren ihn nicht und unterlassen alles, was sein Verhalten belohnen könnte.

- Ich kann sowieso kaum noch gucken, und das Sprechen fällt mir schwer. Ich werd' auch sehr müde. Durch den Blutverlust wahrscheinlich.

- Aha. Verstehe. Also dann bitten Sie doch Ihre Frau, dass Sie mit dem Klicker und einem Leckerlie bereitsteht. Sobald er das Interesse verloren hat und los läßt bitte sofort mit Klicker und einem Leckerlie positiv verstärken. Dabei ist das timing sehr wichtig, aber das wissen Sie ja. Herr Gruber?....Herr Gruber?

- Hier ist Frau Gruber. Mein Mann ist gerade ohnmächtig geworden. Aber ich habe alles mitgehört und hab' Klicker und Leckerlie schon in der Hand!

- Klasse, Frau Gruber! Das wird schon. Sie sind auf dem richtigen Weg.

- Danke, Frau Müller, Sie haben uns sehr geholfen.

Leserreaktion

Sehr geehrte Frau Cordova, großes Lob für das was ich auf Ihrer Seite lesen konnte. Ich freue mich Ihre Seite gefunden zu haben. Ein Lehrgangsteilnehmer schickte mir den Link Ihrer Seite mit der Überschrift: endlich mal einer, der die Wahrheit ausspricht. Sehr angetan war ich über Ihre Beschreibung von Hilfsmitteln. Ich betreibe in Magdeburg selbst seit 25 Jahren eine Hundeschule und bilde seit meinem 12. Lebensjahr Hunde aus. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, das viele Hundebesitzer, die vielleicht ein, zwei Hunde ausgebildet haben glauben eine Hundeschule zu gründen. Mangels Konzept, Erfahrung und Unwissenheit wird dann aber nur abgekupfert und den Hundebesitzern schöngeredet. Artgerechte Erziehung wird kaum noch betrieben. Weil sie eben nicht immer mit Leckerlie zu bewältigen ist. Manchmal muss auch im "Klartext" gehandelt werden. Auch Ihrer Argumentation über die Kastration kann ich nur gut heißen. Ehrlich gesagt kam ich manchmal schon ins zweifeln, wenn im Umkreis alles nur noch mit sogenannter "sanfter" Leckerlieausbildung, Hunde ausbilden möchte. Ich dachte schon ich bin nicht Fortschrittlich genug. Aber Ihre Seite hat mich wieder auf Kurs gebracht. Meine Ausbildungsansichten sind ähnlich der Ihren. Die Erfolge sprechen ja auch für meine Methode. Jeder gute Hundelehrer wird sich den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht verschließen und diese in seiner Arbeit mit einfließen lassen. Ich habe fast 40 Jahre auch Hundesport betrieben und damit auch im Aggressionsbereich mit Hunden gearbeitet. Ich glaube das ist ein großer Vorteil für die Ausbildung von Mensch und Hund in einer Hundeschule. Die gecasteten Sendungen von Rütter und Co machen uns zusätzlich das Leben schwer, weil den Leuten nur was vorgegaukelt wird. Im Grunde bilden wir ja gar nicht den Hund, sondern den Besitzer aus. Aber nun möchte ich Sie hier in meinem Schreiben nicht zutexten. Ich finde es gut, wenn ein Hundeschulenbesitzer seine Ausbildungsphilosophie treu bleibt. Auch wenn Sie aus heutiger Sicht leider immer mehr kontrovers diskutiert wird. Mein Respekt und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! Vielleicht können wir uns mal kennen lernen. Mit freundlichen Grüßen, Frank Klose Hundeschule "Kaiserkrone"