Menschen – Wölfe – Hunde – DNA und Abstammungstheorien

Die Familie der Kaniden ist viel artenreicher als unsere. Weit bevor die Entwicklung des Menschen aus den Primaten mit dem kleinen Australopithecus vor circa 4 Millionen Jahren begann, war bereits die Entwicklung der Urfamilien Canidae (nach Matthew, Colbert u.a.) vor circa 25 Millionen Jahren mit dem Cynodictis (Hesperocyon), Urahn der heutigen Hunde im Gange. Der Cynodictis(Familie Amphicyonidae) lebte in Asien und Europa wobei vor ca. 25 Millionen Jahren ein Teil der Population in den amerikanischen Kontinent wanderte. Aus diesem entstand dort ein modernerer Hund, genannt Pseudocynodictis.

Der Mensch ist heute nur mit der Art Homo sapiens sapiens vertreten und obwohl Paläontologen mit unserer evolutionären Entwicklung immer noch mit verschiedenen Theorien im Zwiespalt stehen, sind sich die meisten Hundeexperten- und Wissenschaftler dagegen über die Domestikation des Wolfes zum Haushund fast alle einig. Handelt es sich hier auch nur um eine gewinnende Theorie oder ist diese tatsächlich bewiesen?  Einige Anthropologen sind sich über die Neandertaler unstimmig: Für die einen waren sie eine eigene Menschengattung, nicht so intelligent und organisiert wie unsere direkten Vorahnen, den Homo sapiens und daher von diesen ausgerottet; für die anderen waren die Neandertaler eine Unterart des Homo sapiens und daher ebenfalls als sapiens eingestuft. So konnten sich die zwei Populationen problemlos miteinander fortpflanzen. Zu dieser Theorie wird dargestellt, dass die Population des Homo sapiens neanderthalensis viel kleiner und weiträumiger verstreut war als die Population des Homo sapiens, der durch die Vermischung genetisch die größere Population die kleinere mit der Überschattung deren Charaktere überdeckte bis zu ihrem Verschwinden. Dieser Prozess führte daher zum endgültigen Aussterben der Neandertaler. Nach älterer Theorie sind die Neandertaler als erste „Europäer“, dem kalten Klima gut angepasst durch die kleinere und kompakte Konstitution, robust und knochenkräftig, die es ihnen ermöglichte, ihre Körperwärme besser zu speichern. Andere Anthropologen vertreten dagegen die Theorie, dass Neandertaler kälteempfindlich gewesen wären, wodurch sie die letzte Eiszeitperiode nicht überleben konnten. Den “wahren Grund“ des Aussterbens der Neandertaler steht in der DNA von 18 Menschen geschrieben, die zwischen einem Zeitraum von vor 100.000 und 35.000 Jahren lebten. Vor circa  50.000 Jahren und bevor der Homo sapiens (Cro-Magnon) von Afrika nach Europa kam, starben die meisten von ihnen auf Grund der Eiszeitperioden. Es blieb nur eine kleinere Gruppe, die nach Westeuropa emigrierte und dort noch 10.000 Jahre überleben konnte. Diese übrig gebliebene kleine Gruppe vermischte sich mit Homo sapiens mit dem Resultat, dass auch diese letzten Neandertaler genetisch für immer verschwanden. Wenn tatsächlich der Archaische Sapiens und der Neandertaler kulturell und geistlich sehr ähnlich waren, dann müssten die Sapiens aus Afrika eine unbekannte „Wunderwaffe“ besessen haben, um in die Eiszeit überleben zu können. Diese Frage stellten sich Forscher der Pennsylvania University und Herr Pat Shipman, der glaubt, diese Hilfsmittel identifiziert zu haben: den domestizierten Wildhund.

Wie bekannt, schauen Hunde ihren Menschen in die Augen und versuchen diese mit ihrem Stimmtonalitäten und Körperbewegungen zu verstehen. Ich möchte dazu bemerken, dass die ersten domestizierten Hunde nicht mit den heutigen zu vergleichen sind, weil die damaligen Hunde im Wesen ursprünglicher waren. Einige solcher Hunde richteten ihre Aggression gegenüber Menschen aus ihrem eigenen Clan, in dem sie lebten. Es ist daher nicht schwierig nachzuvollziehen, dass solche Hunde getötet wurden und somit die erste Selektion zum menschenfreundlicheren Hund begonnen hatte.

Durch genetische Forschung der menschlichen DNA ist der Wissenschaft unter anderem die „Entzifferung“  unserer Abstammung gelungen durch Vergleich moderner mit antiker DNA. Es ist erwiesen, dass ein kleinerer Prozentsatz von Genen des Neandertalers (3- 4) in unserem Genom enthalten ist und damit sind wir Abkömmlinge beider Homo sapiens.  Neandertaler besiedelten den euroasiatischen Kontinent und die nordafrikanische Küste. Nach DNA-Analyse trägt nicht jeder moderne Mensch Neandertaler-Gene in sich, wie zum Beispiel der Schwarzafrikaner. Dennoch lebten vor vierzigtausend Jahren gleichzeitig mindestens vier Menschenarten:
  1. Homo sapiens
  2. Homo neandertalis
  3. Homo floresiensis
  4. Homo denisova.

Florens-Menschen lebten bis vor 13.000 Jahren auf der ozeanischen kleinen Insel Flores; Denisova-Menschen waren verstreut zwischen Russland und Asien. In zwei chinesischen Grotten wurden Menschenfossilien von vier Individuen gefunden, datiert vor zwischen 14.500 und 11.500 Jahren. Die Schädel dieser Menschen aus dem Steinzeitalter zeigen verschiedene morphologische Züge: archaisch, dann mit runden dicken Schädeln, gering größeres Gehirn, sehr betonte Augenbrauenpartie und modernerem Stirnabsatz. Die Gesichtsfront kurz und ziemlich flach, mit langen Nasen und im Gebiss sehr breite Molare. Bei diesen Menschen fehlte das ganze Kinn. Der zuständige Paläontologe Professor Cumoe bestätigt die Zugehörigkeit dieser Fossilien zur Menschenfamilie. Kaum angefangen, diese Funde zu studieren, schon sind mehrere Theorien entstanden: eine davon klassifiziert diese Menschen als eine eigene Art, die bis zum Ende der Eiszeit überleben konnten.

Die Migrationen von Menschengruppen aus Afrika zur restlichen Welt erfolgten in verschiedenen Zeitepochen, so dass die letzten Wanderer genetisch veränderte Menschenpopulationen trafen, die viel früher Afrika verlassen hatten. Sie alle erkannten sich als enge Verwandte, verpaarten sich miteinander und vermischten so ihr Erbgut. Die Urbewohner Australiens gelten als die ältesten Vertreter des Homo sapiens sapiens: sie verließen Afrika vor ca. 70.000 Jahren und trafen während ihren Wanderung Denisova-Menschen, mit denen sie sich vermischten. Neandertaler und Denisova stammten vor über einer Million Jahren von gemeinsamen Vorfahren ab. Einige philippinische Stämme weisen ebenfalls genetische Spuren von Denisova-Menschen auf.

Abstammungstheorie des Familienhundes

Wenn die Forschung über die menschliche Entwicklung durch Neuentdeckungen keinen linearen Weg weisen kann, wieso sind sich Hundeexperten und DNA- Forscher so einig mit der linearen Abstammungstheorie des Familienhundes aus dem Wolf bzw. die Domestikation des Wolfes zum Haushund?

Diese Theorie ist in der Tat nicht neu, im Gegenteil mindestens 3.000 Jahre alt und seit dem wird auch vergeblich nach Beweisen gesucht. Nach neueren Erkenntnissen von DNA-Forschern stammen alle domestizierten Hunde vom Wolf ab. Diese „Feststellung“ wurde zwischenzeitlich korrigiert. Unsere Haushunde entstammen aus einer noch älteren Wolfspopulation, die auch als Stammform aller heute lebenden Wölfe gilt, womit sich die Frage stellt, ob die Bezeichnung „Wolf“ für diese Ur-Caniden  passend sei?

Diese „wissenschaftliche Darstellung“ wurde inzwischen ebenfalls überholt und durch eine andere ersetzt:

  • a) Alle domestizierten Hunde (Canis familiaris) sind genetisch eng verwandt mit dem Grauwolf des mittleren Orients.
  • b) Drei Gruppen von Haushunden sind antiker als alle anderen und stehen damit den Grauwölfen noch näher. Die drei Gruppen unterliegen der geografisch Unterteilung:

asiatische, mittlere orientalische und nordische Rassehunde.

Einige Vertreter der asiatischen Gruppe sind Chow Chow und Akita; vom mittleren Orient der Afghanische Windhund und vom nördlichen Raum der Sibirian Husky.
  • c) Der afrikanische Basenji ist der ursprünglichste Rassehund überhaupt und obwohl er nicht wie ein Wolf aussieht, wäre für einige Forscher der Basenji  „fast ein Grauwolf“.
  • d) Alle kleineren Hunde zeigen in ihrer DNA-Sequenz die gleichen genetischen Veränderungen wie beim mittleren orientalischen Grauwolf und daher die Feststellung, dass kleine domestizierte Hunde enge Verwandte zu diesem seien.

Meines Erachtens ist bei dieser Theorie nicht die Definition „antiker“ für einige Gruppen von Hunden unglaubwürdig, sondern die Definition „näher stehend zum Grauwolf“: es bestehen keine Ähnlichkeiten in Wesen und  Erscheinungsbild zwischen Chow Chow, dem Afghanischem Windhund und dem Grauwolf. Unabhängig davon wurden im Orient paläontologische Reste von kleineren domestizierten Hunden entdeckt und datiert auf ein Alter von 5.000 bis 16.000 Jahren. Bei Ausgrabungen in Europa wurden Knochenreste von größeren Hunden geborgen und auf zwischen 13.000 bis zu 31.000 Jahre datiert. Einige Forscher sind der Meinung, dass vor ca. 50.000 Jahren die Neandertaler gezähmte Hunde bei sich hatten. Dieser Menschengruppe werden die ältesten Höhlenmalereien in Spanien zugeteilt und daher eine höhere geistige Intelligenz als zuvor vermutet.

In einer sibirischen Grotte des Altai Gebirges wurde ein Hundeschädel entdeckt, datiert auf ein Alter von 33.000 Jahren. Dieser Schädel ist bis heute der älteste Hundefund der Welt und differenziert sich von Wölfen des gleichen Zeitalters und von allen heutigen lebenden Wölfen und Haushunden. Der Schädel des russischen Hundes ähnelt in Form und Größe den Hunden, die vor 1000 Jahren in Grönland lebten. Obwohl das 33.000 Jahre alte Exemplar an Samojeden und Deutsche Schäferhunde erinnert, handelte es sich wahrscheinlich um einen Hund im Anfangsstadium der Domestikation und hinterließt keine Nachfolger in unsere Zeit. So ist ersichtlich, dass sich die Domestikation des Hundes in verschiedenen Zeitepochen, bei verschiedenen Menschengruppen, in unterschiedlichen Kontinenten und aus verschiedenen vorhandenen Hundetypen entwickelte.

Meine Meinung:

Seit mindestens 20 Jahren und ohne DNA-Kenntnisse bin ich zu der Auffassung (Theorie) gekommen, dass alle domestizierten Hunde aus eigener Evolution (verschiedener Wildhundevorfahren) stammen. Solche Ur-Wildhunde waren mit Ur-Wölfen eng verwandt auf Grund gemeinsamen Ursprungs. Die Vorfahren der Haushunde waren im Aussehen und auch im Wesen etwas anders als die Wölfe und deswegen konnten einige davon domestiziert werden. Laut genetischem Verfahren begann die Trennung des o. g. domestizierten russischen Hundes vom Wolf vor ca. 100.000 Jahren.

Die Vorfahren unserer domestizierten Hunde waren im Phänotyp nicht viel anders als die heutigen und paarten sich im weiteren Verlauf ab und zu mit Wölfen und anderen Wildhunden, auch durch menschlichen Einfluss. Die wilden Vorfahren des Canis familiaris waren in verschiedenen Arten und Größen vertreten wie z. B.:

  • Lupoiden, Spitzartige,
  • Windhundartige (Graioiden)
  • Doggenartige (Molossoiden) und
  • Mastiff, Kampfhunde.

Diskriminierend erscheint die Definition: „kleine Hunde = degenerierte Wölfe“.

In Südamerika wurde eine Hundemumie entdeckt mit etwa der „Größe“ eines Chihuahua und datiert auf ein Alter von ca. 10- bis 11.000 Jahre. Noch heute leben in Südamerika dackelgroße Wildhunde (Waldhund – Speothos venaticus), in Asien der kleinere Waschbärhund (Nyctereutes procyonoides) und der mittelgroße Rothund (Cuon alpinus), in Südamerika der hochbeinige, schmale Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), in Afrika der übermittelgroße Lycaon pictus (im Volksmund: Löffel- oder Hyänenhund genannt).

Über Jahrtausende hinweg haben sich domestizierte Hunde miteinander verpaart, so dass kleine, mittelgroße und große Hunde fast gleiche Verhaltensweisen zeigen, wie eine geschlossene eigene Art.

Nicht nur der Haushund trägt in seiner DNA Wolfscharaktere in sich, auch im Genom des Wolfes finden sich genetische Spuren von domestizierten Hunden, woraus sich unendlich viele Theorien entwickeln ließen. Bedenke man, wie viele Millionen von Jahren sich die Trennung des südamerikanischen Kontinents vom Afrikanischen vollzogen hat mit deren Beständen an Flora und Fauna, die damit auch genetisch getrennt wurden und trotzdem wie ähnlich noch im Aussehen und Verhalten Jaguar und Leopard sich präsentieren, so scheinen Theorien über einen Zeitraum von 10.000 Jahren für die Umpolung einer Wildtierart wie die des Wolfes zum vielfältigen Haushund doch ziemlich kleinlich.Kein anderes domestiziertes Tier ist in seinem Bestand so verschieden und vielseitig wie Hunde, ich meine unsere Hunde heute.

Vielleicht ist ja der Grauwolf das Resultat von Kreuzungen zwischen ursprünglichen Ur-Eltern des Basenji (kleinere Hunde) und anderen Wolfstämmen. Im Laufe der Zeit wurde dann die genetische Dominanz von der größeren Population Wölfe überschattet, ganz ähnlich, wie Sapiens mit einem Minimum von Neandertalern. Alles ist möglich . . .

Eure Astrid Cordova