Hunderasse: Deutscher Schäferhund

- Schäferhunde? Kenn ich doch, das sind die wie „Kommissar Rex“ …. -

Dieser Artikel will verstanden werden als kleiner Beitrag für bessere und aktuellere Erkenntnisse der Rasse Deutscher Schäferhund durch die Darstellung seiner Herkunft, Vergangenheit, seiner engen Verwandten, der geleisteten Sozialdienste für uns alle, so wie auch die Aufklärung über sein Wesen und der heutigen Zuchtproblematik. Damit möchte ich diese Rasse aus einem anderen Blickwinkel präsentieren, im Speziellen aus der Sicht seines schlechten Rufes bei der Bevölkerung. Solchen Ruf hat der Deutsche Schäferhund nicht verdient.

 Rassehunde: Deutscher Schäferhund

Auszug aus dem Rassestandard des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V.:

Der Deutsche Schäferhund, dessen planmäßige Züchtung im Jahre 1899 nach Gründung des Vereins begann, wurde aus den mitteldeutschen und süddeutschen Schlägen der damals vorhanden gewesenen Hütehunde herausgezüchtet mit dem Ziel, einen zu hohen Leistungen veranlagten Gebrauchshund zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Rassestandard des Deutschen Schäferhundes festgelegt, der sich sowohl auf die körperliche Beschaffenheit wie auch auf die Wesens- und Charaktereigenschaften konzentrierte.

Das Wesen

Der Deutsche Schäferhund muss vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) gutartig sein, dazu aufmerksam und führig. Er muss Triebverhalten, Belastbarkeit und Selbstsicherheit besitzen, um als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst und Hütehund geeignet zu sein.

Also sind Deutsche Schäferhunde Gebrauchshunde gezielt gezüchtet, um Menschen zu helfen. Heute ist er das Resultat der letzten vier Jahrzehnte, so wie gezüchtet wurde. Er kann nichts dafür, dennoch konnte gezielte Züchtung eines nicht verhindern: die wahre Seele dieser Hunde zu manipulieren.

Die Mehrzahl der Züchter wählen für ihre Hündinnen hoch prämierte Deckrüden aus dem Schauwesen oder aus dem Leistungssport, mit dem Gedanken, die Rasse damit verbessern und gleichzeitig die Welpen leichter platzieren zu können. In der Tat wird durch ständigen Einsatz von Elitehunden durch Spezialisten für Schau- und Leistungshunde (Schutzhundesport) eine Zucht geschaffen, die letztendlich nicht der Gesamtheit der Rasse entsprechen sollte (z. B. der Familienhund).

Man züchtet so zu sagen an erster Stelle für die Insider und hat dabei vergessen, dass die Aufgabe eines Schäferhundezüchters in erster Linie nicht die Erschaffung eines extremen „Allround-Hundes“ wäre, sondern und primär nur ein nervenstarker, ausgeglichener Hund, der auch familientauglich und auch für Ersthundehalter geeignet sei.

Deutscher Schäferhund Welpe

Der Deutsche Schäferhund leidet seit Jahrzehnten unter seinem schlechten Ruf, ohne Reaktion (im Sinne von Gegenmaßnahmen) seines großen, wohlhabenden Zucht-Dachverbandes. Angeblich ist immer wieder der Deutsche Schäferhund schuld an jeglichen Auseinandersetzungen mit Beißunfällen gegenüber Artgenossen und  Menschen. Er ist der bissige scharfe Hund, der von Mitmenschen spontan und ohne Überlegung beschuldig wird. In der Regel handelt es überwiegend nicht um Deutsche Schäferhunde, sondern um Mischlingshunde oder sogar um andersrassige Hunde ….

Diesen Ruf wird der Deutsche Schäferhund noch lange behalten müssen. Hierzu möchte ich darauf hinweisen, dass die meisten Menschen in unserem Lande leider nicht mehr in der Lage sind, einen reinrassigen Deutschen Schäferhund von einem Mischlingshund zu unterscheiden, schlimmer noch, ihre eigene Rasse zu erkennen.

Der Deutsche Schäferhund ist kein Kampfhund. Im allgemeinen lässt er sich zwar nichts von Artgenossen gefallen, versucht seinen Gegner zu beeindrucken, aber es müsste viel passieren, bis er ernsthaft zubeißen würde.

Treib-, Hüte-, Hirten- und Herdenschutzhund = Deutscher Schäferhund

Im Allgemeinen ähneln Schäferhunde in ihrem Erscheinungsbild Wildhunden und wolfsähnlichen Hunden mit oft ausgeprägtem Jagd-Hetzverhalten. Herrenlose Hunde verändern mit der Zeit ihre Gestalt zu einem Hundetyp, die an den ursprünglichen Deutschen Schäferhund erinnert, wenn man sie ohne menschlichen Einfluss untereinander vermehren lässt.

Vor der Entstehung des Rassehundes waren die europäischen Hunde in drei Kategorien unterteilt:

Nutzhunde, Familienhunde, Straßenhunde

  1. Die Nutzhunde (Arbeitshunde) waren meist Hof- Wachhunde, Schäferhunde, Hirtenhunde, Ziehhunde und Jagdhunde.
  2. Familienhunde waren bei wohlhabenden Leuten heimisch.
  3. Herrenlose Straßenhunde entstanden aus unkontrollierten Paarungen zwischen Nutzhunden und Familienhunden.

Im mittelalterlichen Europa waren die Hütehunde morphologisch gesehen eher Lupoiden (wolfsähnlicher Typ), die Herdenschutzhunde eher Molossoiden – Mastiff (Doggenartige). Seit  ihrem Ursprung unterschiedlich, wurden sie dennoch gezielt oder durch Zufall mit anderen Hundeschlägen verpaart, wie z.B. mit terrierartigen, pudelähnlichen oder langhaarigen Hunden, um einen Arbeitshund zu erhalten, der über mehr Temperament, mehr Herdeschutztrieb oder wetterfesteres Haarkleid verfügt.

Trotz äußeren Unterschieden hatten sie alle Eines gemeinsam: das Meuteverhalten, den Treiberinstinkt und einige davon auch den ausgeprägten Herden-Schutztrieb, alles typische Merkmale des Schäferhundes. Jeder Schäfer züchtete seinen eigenen Schlag und behielt sich nur wenige Welpen für den Gebrauch als Nachfolger. Da solche übrigen Welpen wertlos waren, wurden die restlichen Neugeborenen getötet. Manchmal wurden sie verschenkt oder mit Welpen aus anderen Schäfereien getauscht. Mit der Zeit wurden die genetischen Charaktere von europäischen Schäferhunden befestigt. Sie wurden miteinander ähnlicher und Blutsverwandter. Es existieren heute noch bodenständige Schäferhunde aus Spanien, Belgien, Kroatien, die dem ursprünglichen Deutschen Schäferhund sehr ähneln. Auch der rein gezüchtete Holländische Schäferhund oder Herder (älter als der rein gezüchtet Deutsche Schäferhund), ist im Phänotyp und Genotyp einer der vielen Schäferhundeschläge, die an dem modernen Deutschen Schäferhund beteiligt waren.

100 Jahre - Schäferhundeverein Chronik

Auszug aus dem SV (Schäferhundeverein) „Handbuch der Kynologie“ Kapitel 5

1899          Gründung des SV durch Rittmeister Max von Stephanitz 1900       Einführung der Wurfmeldungen. Horand von Grafrath ist SZ- Nr. 1 im neu angelegten Zuchtbuch des SV (der Stammvater des Deutschen Schäferhundes). 1902          Erste SV- Zeitung und erstes Zuchtbuch. Unterabteilungen werden gegründet. 1903          Herausgabe einer Prüfungsordnung. Erste Leistungsprüfungen werden abgehalten. 1906          Beginn der Ausbildung von Richteranwärtern. 1909          Einrichtung des Zuchtbuchamtes; der SV umfasst nach zehn Jahren 2.667 Mitglieder. 1912          Das Gebrauchshunderegister wird geschaffen. 1914         Die Hauptgeschäftsstelle des SV in Augsburg wird eingerichtet. Über 20.000 Deutsche Schäferhunde werden während des 1. Weltkriegs als Melde-, Patrouillen- und Sanitätshunde eingesetzt. 1920          Landesverbände und Zuchtwarte werden eingerichtet. Der SV umfasst nun mehr als 10.000 Mitglieder. 1922          Die Körung wird eingeführt. 1936          Der Gründer und langjährige Präsident des SV, Max von Stephanitz, stirbt am Gründungstag. 1939       30.000 Deutsche Schäferhunde werden während des 2. Weltkriegs beschlagnahmt und im Heeres- und Frontdienst eingesetzt. Viele davon verlieren ihr Leben. 1948          Der SV nimmt seine Arbeit  wieder auf. Über 80% aller Übungsplätze wurden im Krieg verwüstet. Ausbildungsgeräte sind kaum mehr vorhanden. 1954          Erstmals wird gemeinsam mit den Diensthunde haltenden Verwaltungen eine Siegerprüfung ausschließlich vom SV organisiert und finanziert. 1958          Einführung der Hundeführer-Sportabzeichen. Der SV zählt inzwischen 40.450 Mitglieder. 1966       Einführung des HD- Verfahrens: lückenlose Röntgenkontrolle zur Vermeidung möglicher HD- Erkrankungen in der Zucht. Das HD- Verfahren des SV gilt als das Beste der Welt. 1968           Gründung der Europa – Union der Vereine für Deutsche Schäferhunde (EUSV). 1970           Neu: Plakette für erfolgreichen Einsatz (Polizei-Einsätze) 1971           Einführung einer Bestand deckenden Tätowierung der Welpen. 1974          Gründung der Weltunion der Vereine für Deutsche Schäferhunde (WUSV). 1986          Vorstellung des „Augsburger Modells“ (Erziehungskurse für Jedermann mit jedem Hund). 1990           Zusammenschluss des Ostverbandes mit dem Westverband: der SV umfasst damit rund 100.000 Mitglieder, 19 Landesgruppen und 2.200 Ortsgruppen! 1996          Einführung des DNA- Verfahrens (molekulargenetische Abstammungsuntersuchung). 1998          Einführung der Zuchtwertschätzung zur Bekämpfung der Hüftgelenkdysplasie. 1999       Der SV feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Alle Mitglieder erhalten die über 500 Seiten umfassende Jubiläumsausgabe der SV- Zeitung, die erstmals auch am Kiosk vertrieben wird. Das professionelle Qualitätsmanagementsystem der SV- Hauptgeschäftsstelle erhält das begehrte Zertifikat nach DIN EN ISO 9002: 2001          Einführung des VDH- Hundeführerscheins für Mitglieder und Nichtmitglieder. Der SV war an der Entwicklung maßgeblich beteiligt! 2002          Zur Vorbeugung gegen Ellenbogen- Dysplasie, eine krankhafte Veränderung der Ellenbogengelenke, richtet der SV auf freiwilliger Basis ein Verfahren zur Bekämpfung dieser Krankheit mit Röntgenuntersuchungen, ähnlich dem HD- Verfahren, ein. Einführung des Rettungshundewesens im SV und Beginn des Aufbaus einer eigenen RH- Staffel. Ende des 18. Jahrhunderts beobachtete Rittmeister Max von Stephanitz fasziniert ein paar Schäferhunde bei ihrer Aufgabe an einer Schafherde, die unermüdlich selbständig oder nach Anweisung durch die Bewegung des Schäferstocks präzise Arbeit leisteten. Dabei kam ihm die Idee über die Verwendbarkeit solcher Hunde auch im Dienste des Militärs und der Polizei. So gründete Max von Stephanitz 1899 mit wenigen anderen passionierten Freunden den Verein für Deutsche Schäferhunde e. V. in Kurzform auch SV genannt.

Damals waren die bodenständigen Schäferhunde im Aussehen und in der Behaarung unterschiedlich, der Ausdruck des Kopfes ließ jedoch die engere Verwandtschaft miteinander erkennen. Einige Schäferhunde aus Stephanitz Zeiten sind uns, Dank der Interesse einiger passionierter Kynologen und Schäfer, erhalten geblieben mit Hilfe gezielter Paarungen nach DNA- Verfahren. Im Jahr 1989 wurde die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde (AAH) gegründet zum Erhalt und Förderung der vom Aussterben bedrohten Deutschen Hütehunderassen. Es wird dabei auf VDH -Anerkennung verzichtet, um zu vermeiden, dass sich solche Arbeitshunde zu standardisierten Ausstellungshunden verändern könnten. Einige davon sind:  der Schafpudel, Gelbbacke, Westerwälder/ Siegerländer, Schwarzer Altdeutscher, Süddeutscher Schwarzer, Tiger, Schafpudel, Strobel und der Fuchs.

In der Tschechei wurde ein Schäferhund wieder entdeckt, der dem Deutschen Langstockhaarigen sehr ähnelt, jedoch in Spitzgröße: der Chodsky Pes. In Galizien (Spanien) lebt der Can de Palleiro, ein Hüte-Viehtreiber und Wachhund, der auch an den ursprünglichen Deutschen Schäferhund erinnert. Nicht zu vergessen ist der East European Schepherd, in der ehemaligen UdSSR rein gezüchtete Deutsche Schäferhund aus dem Jahre 1920. Der East European Schepherd, auch Byelorussian Owtscharka genannt, war in der UdSSR einer der führenden Hunderassen mit über tausend Mietgliedern. Nach Beschreibung sind diese Hunde mutige, aggressive Wachhunde. In dieser Zeit waren sie vom dortigen Geheimdienst (KGB) bevorzugt und selbst gezüchtet. Der KGB züchtete nur rein schwarze Hunde: war nur ein einziger andersfarbiger Welpe geboren, so wurde der ganze Wurf getötet und die Paarungsverbindung nie mehr wiederholt.

Beim Liebhaberzüchter spielten Farben keine große Rolle und sie wurden in Schwarz / lohfarben mit Sattel, wolfsgrau, selten gestromt und in Weiß gezüchtet. Im Standard sind diese Hunde größer und schwerer als der offizielle Deutsche Schäferhund:  61 – 71 cm Widerristhöhe gegenüber 55 – 65 cm mit einem Gewicht von durchschnittlich 34 – 48 Kg gegen 28 – 40 Kg.  Diese russischen Deutschen Schäferhunde sind knochenkräftig, haben längere Zehen, große Ohren, mäßig kurze und glatte Behaarung mit üppiger Unterwolle, dem Klima angepasst. Die Augenfarbe ist braun, bernsteinfarben, blau oder wechselfarbig. Der East European Schepherd ist nicht vom FCI anerkannt. (Quelle: Kynos Atlas- Hunderassen der Welt)

Die Rasse Deutscher Schäferhund entstand von Anfang an aus unterschiedlichen bodenständigen Schäferhunden mit verschiedenem Haarkleid und Größe, wie z. B. aus dem Alt- Württemberger Schäferhund (ein Bobtail- ähnlicher Hund mit Hängeohren) und dem Alt- Thüringer Schäferhund (kleiner, stockhaarig, wolfsfarben, mit Stehohren). Im SV wurden nach und nach aus der Zucht ausgeschlossen:

Alle Schäferhunde die kleiner waren als der vorgegebene Standard (damals ab 50 cm Schulterhöhe), mit Kippohren, Ringelrute, lockigem, zotteligen, drahtigem Fell, Langstockhaarige, Langhaarige, Farb-verblasser (mit heller Pigmentierung) und der weiße Schäferhund.

Der Schweizer Weißer Schäferhund

Rassehunde: Schweizer Weißer Schäferhund. Photo: Silvia Checchi

Der weiße Schäferhund ist wieder im FCI und VDH aufgenommen durch die Anerkennung und Buchführung der Schweizer Kinologischen Gesellschaft (SKG) unter dem neuen Namen: „Schweizer Weißer Schäferhund“.

Der Weiße Schäferhund wurde 1936 gemeinsam mit dem langstockhaarigen und langhaarigen Schäferhund züchterisch ausgeschlossen mit der Begründung, dass die Fellfarbe zu Albinismus und Pigmentschwäche führen könnte. Der Stammvater aller im Zuchtbuch eingetragenen Deutschen Schäferhunde war Horand von Grafrath, dessen Oma eine weiße Schäferhündin war. Durch sie kamen aus andersfarbigen Eltern, immer wieder weiße Schäferhunde zur Welt. Im Laufe der Zeit verschwand genetisch der weiße Schäferhund in Europa endgültig, aber noch nicht ganz in Nordamerika. Man könnte sagen, dass der weiße Schäferhund in seinem äußeren Erscheinungsbild bis heute ursprünglich geblieben ist: seit seinem Zuchtverbot wurde er weder im Leistungsbereich noch im Schauring nach SV-Vorschriften selektiert, was verdeutlicht, wie sehr die Rasse Deutscher Schäferhund durch Ausstellungsselektionen und Schutzhundesport verändert wurde, obwohl Zuchtrichter die Meinung vertreten nach Rassestandard zu beurteilen.

Rassehunde: Schweizer Weißer Schäferhund. Photo: Silvia Checchi

Der Langstockhaarige Deutsche Schäferhund

Trotz Zuchtausschluss für langhaarige und langstockhaarige Schäferhunde (fälschlich Altdeutsche Schäferhunde genannt) werden sie immer wieder in Würfen aus kurzstockhaarigen Elterntieren geboren. Der Langhaarige ist zwischenzeitlich genetisch bei SV-Züchtern fast ausgestorben, nicht aber der Langstockhaarige. Durch fast 80 Jahre Zuchtverbot gingen damit trotzdem unzählige gut gezüchtete langstockhaarige Schäferhunde verloren zu Gunsten von Dissidentenvereinen, die solche Hunde bei sich aufnehmen, ohne eigene züchterische Bemühungen.

Um Verluste an Mitgliedern zu begrenzen, hat der SV ab 2011 reagiert mit der Zuchtzulassung der langstockhaarigen Schäferhunde. Kurzstockhaarige und  langstockhaarige Schäferhunde werden ab diesem Jahr in zwei Varietäten unterteilt und als solche getrennt gezüchtet. Ab 2012 sind zur Zucht sogar auch Langstockhaarige aus Dissidentenvereinen zugelassen. So ein „revolutionärer“ Beschluss des SV entstand nicht aus Liebe zum Langstockhaarigen Deutschen Schäferhund, sondern aus Einnahmenverlusten durch Mitgliederschwund. Die langstockhaarigen Schäferhunde aus Dissidentenvereinen dürfen sich mit SV- Langstockhaarigen verpaaren und die Würfe im Aufnahmeregister eingetragen werden (kein Stammbaum). Nach der 4. Generation werden solche Hunde vom Zuchtrichter begutachtet: zeigen sie sich deutlich als reinrassige D. Schäferhunde, erhalten sie ab dann Original-SV-Stammbäume. Zum Nachdenken: Nur auf Grund der Haarlängen wird eine Rassepopulation gespalten. Langstockhaarige Schäferhunde entstammen immer wieder aus kurzstockhaarigen Eltern. Genauso und umgekehrt können aus langstockhaarigen Elterntieren Kurzstockhaarige geboren werden. Loyaler wäre es gewesen, wenn Züchter selbst entscheiden könnten welche Deckpartner für ihre Hündinnen am bestens geeigneten sind, ohne Rücksicht auf Haarlänge: Stockhaar ist Stockhaar.

Die unbekannte Rasse

Deutscher Schäferhund Welpe

Zur Zeit sind in Deutschland unzählige Rassehunde und Mischlingshunde aus aller Welt vertreten wie nie zuvor, und dabei wird der Deutsche Schäferhund immer mehr in die Vergessenheit gedrängt. Oft fragen mich Passanten, wenn ich mit meinen Schäferhunden spazieren gehe: „ Schöne Hunde! Was sind das für Mischlinge?“ Wenn ich verrate, dass diese so genannten Mischlinge echte Deutsche Schäferhunde sind, dann lassen nur einige davon verlauten: „das habe ich mir fast gedacht!“.

Der Deutsche Schäferhund ist wie schon erwähnt nicht viel geliebt aus verschiedenen Gründen. Einige davon könnten sein:

  • „zuviel Hund für mich“
  • „traue ich mir nicht zu“
  • „ist zu dominant“
  • „ist aggressiv, bissig“
  • „war der Hund von Adolf Hitler“
  • „im Krieg wurde er eingesetzt, um Menschen zu töten“
  • „Schäferhunde sind alle krank“
  • „der Hund sieht einer Hyäne ähnlicher als einem Wolf“

Auch die Medien haben dazu beigetragen, mit negativen Darstellungen immer wieder den schlechten Ruf des Deutschen Schäferhundes zu fördern. Nicht zuletzt wurde in TV-Reportagen über die Unfähigkeit des heutigen Schäferhundes als Diensthund berichtet und wie dagegen der Malinois als Polizeihund tauglich ist. Hierbei wird ein zitternder Diensthund im Einsatz als Bewacher einer Demonstration gezeigt und gleichzeitig stolze Malinois, die nicht erwarten können, gegen die Demonstranten anzutreten. Diensthundeführer sind geschulte Hundeausbilder. Dennoch sind leider viele davon nicht in der Lage, fachlich auszubilden.

Wenn ein Hund ohne deutliche Gefahr zittert, so wie der Polizeihund im Fernsehen, dann erlitt dieser Hund mit Sicherheit ein ernsthaftes Trauma. Zahlreiche ausgebildete Kriegshunde wiesen bei ihrer Heimkehr einen Schockzustand auf, ähnlich wie Soldaten nach dem Krieg. Solche geschockten Hunde brauchen genauso wie traumatisierte Soldaten Rehabilitationsmaßnahmen. Solche Tatsachen sind nicht zu verspotten oder gar lächerlich darzustellen. Früher ging der Diensthundeführer mit seinem Hund allein auf Streife zur nächtlichen Bewachung. Der Diensthund war sein Schutzengel. Heute wird kein Polizeibeamter bei Einsätzen allein gelassen. Die Polizisten sind meist zu Zweit im Fahrzeug unterwegs und gut bewaffnet. Bei Gefahr für die Beamten sind auf Meldung sofort unzählige Kollegen zur Stelle. Diensthunde für die Polizei selbst zu züchten wurde nie gestattet, weil dies zu kostspielig wäre. Einen Diensthund komplett auszubilden (als Personenschutz plus Spezialisierungen wie zum Beispiel Drogen oder Sprengstoff aufspüren) ist nicht rentabel. Preisgünstiger ist heute die Ausbildung zur Aufgabenspezialisierung u. a. auf Personensuche, als Sprengstoff- oder Drogenspürhunde. Hierfür sind fast alle hoch im Fresstrieb stehenden Hunde mit gutem Nervenkostüm geeignet. Die Relation der Eignung von einzelnen Hunden als Diensthund aus der Deutschen Schäferhundepopulation ist in der Tat höher als nie zuvor. Es ist für den Staat bequem und sehr preisgünstig, ausgewachsene und gesunde Schäferhunde nach Bedarf zu erwerben, anstatt diese selbst zu züchten (Kosteinsparung). Die Münchner Polizeihundestaffel z. B. verfügte nie über ein eigenes Übungsgelände. Um mit ihren Diensthunden trainieren zu können, müssen die Hundeführer selbst bei SV-Ortsgruppenvorständen für Nutzungsmöglichkeiten auf deren Übungsgelände anfragen.

Fazit: Es ist nicht der Deutsche Schäferhund, der heute nicht mehr diensthundetauglich wäre, sondern der Bedarf an Schutzhunden für die Polizei ist gesunken.

Die Entwicklung der Rasse

Vielfältige alte Schäferhundeschläge sind immer noch in den heutigen modernen Schäferhunden der Leistungslinien wieder zu erkennen. Hundeausbildung vor 100 Jahren ist nicht mit der heutigen zu vergleichen. Nach 16 Jahren seit Gründung des Vereins explodierte in Europa der Erste Weltkrieg. Unzählige Deutsche Schäferhunde (auch nicht registrierte) wurden im Krieg eingesetzt, nicht als „Killerhunde’“ (sie waren weder aggressiv noch „scharf“), sondern als Melde- und Sanitärhunde).

Die Schäferhunde waren Treiberhunde mit ausgeprägtem Meuteinstinkt, wetterfest, unermüdlich und mit sehr hoher Grund- und Laufschnelligkeit ausgestattet (bis zu 60 Km pro Stunde). Mit solchen Eigenschaften konnten die Hunde bei simpler Ausbildung hohe Leistung und Anerkennung  erbringen. Es waren auch Schäferhunde mit natürlichem Herdenschutztrieb dabei, deswegen hoch geschätzt und in der Zucht eingesetzt. Im Krieg starben auch viele Hunde auf der Suche nach verletzten Soldaten und während des Meldens zwischen den Fronten. Viele Soldaten, die überlebten waren durch den Krieg erblindet; die Hunde, die den Schock des Krieges überwinden konnten, wurden zu Blindführhunden ausgebildet. „Schäferhundezucht ist Gebrauchshundezucht, sonst ist sie keine Schäferhundezucht“ Max von Stephanitz Nach diesem Motto entstanden der Polizeihund und der sportliche Schutzhund auf Kosten des reinen Hütehundes. Nachdem auch der zweite Weltkrieg wütete, wurden Schäferhunde für das Militär abgerichtet, nicht nur als Melde- und Sanitäterhund, sondern auch als Wach- und Schutzhund. Als der Krieg mehr Hundeopfer brachte als erwartet, wurden Schäferhunde aus privater Hand beschlagnahmt. Gefragt ist nicht der scharfe sondern der nervenstarke Hund. Deutsche Schäferhunde bewiesen bei ihrem Einsatz in den beiden Weltkriegen äußerste Nervenstärke und Belastbarkeit. Sie wurden weltweit bewundert und geschätzt (heute noch). Der “Kriegshund“ hat viele gute Rassevertreter mit deren genetischem Erbgut verloren, wodurch der Bestand der Rasse in kurzer Zeit nochmals dezimiert wurde. Während des Zweiten Weltkriegs ist in alten Filmaufnahmen Adolf Hitler mit Deutschen Schäferhunden zu sehen, wobei sich diese mit eingeklemmten Ruten ängstlich zeigen, wenn ihr „Herr“ sie streicheln mochte. Solche damaligen Hunde waren keine Kampfmaschinen, sondern ausgebildete Hunde nach Ihrer individuellen Veranlagung. Es gab damals keine DNA- Analyse für die Identifikation von Elterntieren und lässt daher den Gedanken realistisch erscheinen, dass nach den Großen Kriegen bodenständige Schäferhunde, die nicht im SV-Zuchtbuch eingetragen waren (keine Nachkommen von Horand von Grafraht) zur Zucht eingesetzt wurden, um eine genetische Vielfalt zu ermöglichen und die Verluste zu kompensieren.

Die Anatomie des Hundes beeinflusst sein Wesen!

Deutscher Schäferhund Welpe

Die gezielte Zucht auf „Schönheit“ wird in diesem Fachgebiet von Schäferhundeliebhabern „Hochzucht“ genannt. Die gezielte Zucht auf Elite-Schutzhundesport wird im Fachkreis mit „Leistungszucht“ bezeichnet.

So genannte graue (wolfsfarbene) Schäferhunde waren die Ersten, die im Zuchtbuch eingetragen wurden. Dann folgten einfarbige braune („Fuchs“), weiße, schwarze, sowie schwarz-gelbe Hunde mit Mantel oder mit Sattel. In den 50er-Jahren bis zu den 70ern waren schwarz-gelbe Schäferhunde mit Sattel beliebter als die Grauen, wahrscheinlich durch den berühmten Filmhund Rin-Tin-Tin. Die Schwarz-Gelben waren damals Ausstellungshunde, begehrte Familienhunde, an der Spitze im Schutzhundesport und bei der Polizei. Die heutigen sportlichen Erfolge des überwiegend grauen Schäferhundes im Schutzhundebereich sind zurückzuführen auf die häufige Verpaarung mit Schwarz-Gelben. Ab den Siebzigerjahren wurden im Schauwesen die Schwarz-Gelben von den hoch gezüchteten Schwarz-Braunen verdrängt. Ab dann wurde die Rasse innerhalb von 20 Jahren in zwei getrennte Zuchtinteressen und Populationen gespalten: die eine mit dem schwarz-braunen Ausstellungshund à la Kommissar Rex, die andere mit grauen und schwarzen Schäferhunden aus dem Schutzhundesport, „Leistungslinie“.

Schwarz-gelbe Schäferhunde mit korrekter Anatomie aus der Hochzucht sind inzwischen verschwunden, Schwarz-Gelbe aus der Leistungszucht sind nach Standard anatomisch nicht korrekt (schön) wie sie früher waren. Während züchterische Prioritäten des Ausstellungshundes auf die Anatomie des Trabergebäudes und auf reine Schönheitskriterien (nicht im Sinne des Vereinsgründers Max von Stephanitz) gelegt werden, strebt man züchterische Prioritäten des Leistungshundes auf seine überregionalen Erfolge im Schutzhundesport an. Der Ausstellungshund verliert dabei Schutzhundeeigenschaften mit seinen Vielseitigkeitsveranlagungen, während bei den Leistungshunden nicht so sehr auf Standard mit korrekter Anatomie geachtet wird (Spezialisierungen).

Solche Unstimmigkeiten hat zur Vereinspaltung geführt mit der Abtrennung von Mietgliedern und Züchtern, die einen eigenen Schäferhundeverein gründeten: den RSV 2000 von Dr. Helmut Reiser. Der RSV 2000 ist vom VDH und FCI anerkannt. Die Züchter vom RSV 2000 waren vorher Leistungszüchter im SV und Schutzhundesportler. Das Zuchtziel des Vereins ist die Erhaltung des Deutschen Schäferhundes als leistungsfähigen, nervenstarken Hund (bzw. leistungsfähiger sportlicher Schutzhund). Der Gründer des Vereins RSV 2000, Dr. Helmut Reiser, war selbst  erfolgreicher Schutzhundesportler im SV und wurde sogar als Hauptzuchtwart des Vereins gewählt. Als Herr Reiser Veränderungen in die Zucht einbringen wollte, wurde er umgehend abgewählt.

Die Mehrzahl von zielorientierten Hochzucht-Ausstellern (Schönheitslinie) lassen ihre Hunde von Welpenalter an immer angeleint, um zu vermeiden, dass die Hunde galoppieren und zu toben. Sie sollen erst nur traben lernen (im Schauring werden die Hunde im Normalgang, im Trab und Renntrab präsentiert).

Zuchtschauen für Deutsche Schäferhunde sind in der Rassehundewelt einzigartig: die Hunde werden an der langen Schauleine im Ringkreis trainiert und vorgeführt (dauerhaftes monotones Kreislaufen) und wird auch als „hundesportliche Leistung“ bezeichnet. In der Tat erfordert so eine Vorführung Erfahrung, Geschicklichkeit und aktives sportliches Training, was nicht jeder hat oder kann. Daher ist es unvermeidlich, dass Hochzüchter ihre „schönen Hündinnen“ mit den „hässlichen Grauen“  nicht vermischen möchten, und Leistungszüchter nicht ihre „triebstarken, echten Schäferhunde“ mit „trieblosen Schwarz-Braunen“ herunterstufen wollen (Ausnahmen bestätigt).

Das SV- Gremium und Zuchtrichter haben ihr Hauptinteresse auf den Ausstellungshund gelegt, wahrscheinlich weil einige davon gewinnbeteiligt sind: jeder zehnte ausgewählte vorzügliche Spitzenhund (V-Auslese) in der BSZS (Bundessiegerzuchtschau), kann einen Lieberbaberpreis bis zu einer halben Million Euro erreichen mit Decktaxen für Rüden bis X-tausend Euro! Quelle: Staatliche TV-Reportage

Im Laufe von 112 Jahren Schäferhundezucht hat sich die Rasse durch Zuchtschauen und Schutzhundeprüfungen im äußeren Erscheinungsbild und im Wesen erheblich verändert: daher muss man annehmen, dass der heutige Schäferhund schöner als früher sein müsste und im Hundesport genetisch spezialisierter.

Was heute schön ist war früher nicht schön und umgekehrt. In der Tat wurden im SV viele schwarz-braune und schwarz-rote Schäferhunde extrem überzüchtet mit Übertypisierung bis hin zum so genannten „Hyänenhund“. Übergroße Rüden und Hündinnen mit deformierter Wirbelsäule und sonstigen degenerativ veränderten Skelettteilen erhielten bei der Hauptzuchtschau das Prädikat „V- Auslese“.  Die schwerwiegenden Folgen solcher  Rassevertreter brachten alle Deutschen Schäferhunde in Verruf, speziell aus der Sicht der Bevölkerung, die impulsiv und pauschal vergleicht: Schäferhund = HD. Der ehemalige DDR-Schäferhund war lange Zeit von dem Westlichen genetisch getrennt und wurde auf andere Prioritäten gezüchtet, so dass dieser Hund eine eigene Varietät darstellt: in Standardgröße korrekt gezüchtet, mit breitem, tiefen Rumpf, geradem Rücken und kräftigem Knochenbau mit ausgeprägtem kräftigen Schädel. Im Triebbereich nicht ganz so ausgeprägt wie der westliche Schäferhund und daher kein echter Konkurrent im Schutzhundesport; er ist eigenwillig, im Allgemeinen ausgeglichen, mit ernsterem Wesen und für behördendienstliche Aufgaben sehr gut geeignet. „DDR“- Schäferhunde werden noch heute von wenigen Liebhaberzüchtern mit alten Blutlinien weiter „rein“ gezüchtet. Einige Schäferhunde aus der westlichen Leistungszucht sind im Beute-Kampftriebbereich gesteigert, andere durch die Steigerung ihrer Triebe neigen zur Hysterie. Im Schutzhundesport ist der graue Schäferhund von dem Belgischen Schäferhund, dem Malinois überholt worden. Es wäre der falschen Weg zu versuchen, mit dem Malinois und dessen Triebveranlagungen zu konkurrieren, denn so ein Zuchtziel würde unweigerlich zu Triebsteigerungen führen, damit zum „Problemhund“, nicht als Familienhund geeignet.

Die Vorzüge eines gewissenhaft gezüchteten Deutschen Schäferhundes sind:

Intelligenz, Vielseitigkeit, ausgeglichenes Temperament (gleichmäßig verteilte Triebe), natürliches Meuteverhalten, genetische Neigung, sich seiner menschlichen Familie unterzuordnen, Führigkeit, Eignung für alle Ausbildungsbereiche, die Bereitschaft, Familie und Eigentum zu schützen, Mut, Selbstsicherheit, Belastbarkeit, Nervenstärke, verspielt bis ins hohe Alter. Hier findet man so manche Charaktere, die sehr viel Persönlichkeit ausstrahlen. Bekannte Eigenschaften, die einen Schäferhund- Interessenten beunruhigen (je mehr man weiß, je mehr Hemmungen entstehen).

Die Veranlagungen gut gezüchteter Deutscher Schäferhunde aus der Hochzucht (Schauzucht) sind:

stabiles Nervenkostüm, ruhiges Wesen zu Hause, im Triebverhalten ausgeglichen, im Aggressionsbereich durchschnittlich (naturelle Schärfe), Eignung als Familienhund.

Rassehunde: Deutscher Schäferhund aus der Hochzucht

Die Veranlagungen gut gezüchteter Deutscher Schäferhunde aus der Hochleistungszucht (Schutzhundesport):

Sehr temperamentvoll, ruhig und  ausgeglichen zu Hause, umso quicklebendiger und unermüdlich im Freien. Triebstark und oftmals diensthundegeeignet. Ohne körperlich-mentale Beschäftigung langweilt er sich und ist frustriert. Er benötigt einen erfahrenen Hundeführer, der jedoch nicht unbedingt Schutzhundesport betreiben müsste, über Fachwissen und genügend Persönlichkeit für nötige Konsequenz in der Führung verfügt. Schäferhunde aus der sportlichen Schutzhundelite sind vergleichbar mit Formel 1-Rennwagen gegenüber Kleinzylinder Familienautos. Schäferhunde mit „normal gelagerten Elterntieren“, also nicht aus der Leistungselite, sind oft auch geeignet für Ersthundehalter.

Rassehunde: Deutscher Schäferhund aus der Hochleistungszucht

Was sollte bei der Auswahl eines Deutschen Schäferhundes beachtet werden?

Unerfahrene werdende Hundehalter haben mit diesem Artikel die Möglichkeit, Unterschiede zwischen dem reinen Elite-Schauhund und dem reinen Elite-Sport-Schutzhund erkennen zu können, so wie auch Züchter mit Hunde ohne „Champions“ als Elterntiere und mit normal gelagerten Hunden im Triebbereich. Es gibt auch Züchter, die Schauhunde mit Leistungshunden verpaaren. So mancher Welpe aus solchen Elterntieren wäre auch interessant für Ersthundehalter.

Der Schäferhund fordert Verständnis und eine konsequente Führung bei der Erziehung, besonders bei selbstbewussten Rüden oder Hündinnen. Er kann leicht gelesen und eingeschätzt werden Dank seiner ausdruckstarken Körpersprache, ähnlich der des Wildhundes. Er braucht von Klein auf gute Sozialisierung mit Artgenossen und Umweltprägung (keine Zwingerhaltung), so wie jeder andere Hund auch. Es gibt keinen perfekten Hund, sondern den am besten für seine Menschen geeigneten. Es sollte Freude bereiten, einen Welpen groß zu ziehen, sein Wesen zu formen und ihn auszubilden - und damit meine ich nicht nur den Schäferhund sondern jeden Hund. Das geht am besten mit Liebe, Geduld, Wissen und Selbstkontrolle. Der Deutsche Schäferhund unterordnet sich in der Regel von selbst seinen Leuten. Sollte dies nicht der Fall sein, dann handelt es sich meist um gravierende Fehlhandhabung des Hundehalters. „Kumpel, aber keine Vorgesetzte. Kinder sind Schützlinge und Spielgefährten, deren kleine Quälereien dem Herrn zu zuliebe gern hingenommen werden, aber zu Befehlen haben sie nichts“. Max von Stephanitz Gemeint sei damit, dass Kinder für den Schäferhund Schutzbefohlene darstellen (Meuteverhalten), gegen Fremde und „Eindringlinge“ auch verteidigt werden und deshalb nicht als Kommandogeber wahrgenommen werden können. Akzeptiert der Hund die Eltern, so respektiert er deren Kinder und übernimmt seine Aufgabe als deren Aufpasser und Gefährte.

Rassehunde: Deutscher Schäferhund

Sind Schäferhunde krank?

Der Deutsche Schäferhund wird immer noch als „hüftkranker Hund“ dargestellt. Dabei wird Vieles ignoriert: die befürchtete Hüftgelenkdysplasie (HD) ist nicht rassebedingt, sondern kann jeden mittelgroßen Hund betreffen. Der einzige plausible Kausalverursacher für HD, auch bei genetisch getrennten Rassen, ist nach meiner Meinung primär die über 70-jährige ständige Fehlernährung durch Industriefutter. Genetische Krankheiten und Ernährung sind oft miteinander verbunden, von denen auch kleinere Rassen nicht verschont bleiben.

Sollte zum Beispiel ein Rind durch falsche Ernährung erkranken oder sogar „verrückt“ werden (Jakobskrankheit) und damit für uns als Konsumenten eine Gesundheitsgefährdung darstellen, dann wird die ganze Rinderherde getötet (so wird uns versichert …). Wird bekannt, dass ein Huhn mit Pestiziden gefüttert wurde oder bekommt die „Vogelpest“, dann erfolgt die Verbrennung von X-Tausend Hühnern (so wird es uns glaubhaft gemacht …), aber die Realität hat uns anders belehrt! Hunde gehören nicht zur menschlichen Nahrung, „können daher ruhig erkranken!“. Werden sie einmal krank, ist der Tierarzt zuständig. Ist ein Hund mit HD oder / und ED belastet, werden die Ursachen überall gesucht, nicht aber bei dem Ernährung vom Industriefutter (aus erkrankten und vernichteten Tieren?). Der SV war der erste Zuchtverein, der den Kampf gegen Hüftgelenkdysplasie (HD) durch gezielte Züchtermaßnahmen aufgenommen hat: ab einem Mindestalter von 12 Monaten wird der Hund durch einen vom Verein anerkannten Veterinär mit Röntgenaufnahmen auf Hüft- und Ellenbogengelenkstatus untersucht (auf Züchterkosten). Die Radiologiebilder werden anschließend mit dem Befund des Tierarztes zur SV-Hauptgeschäftstelle weitergeleitet. Dort angekommen, werden die Aufnahmen noch einmal vergrößert vom vereinseigenen Veterinär genau überprüft (auf Züchterkosten), um dann den Befund mit Stempel und Unterschrift auf die Original-Ahnentafel des Hundes zu verewigen (auch auf Züchterkosten). Heute und seit geraumer Zeit weist der Stempel häufiger denn je die gewünschte Bewertung  „a“ zuerkannt =  HD- frei auf. So wird im Schäferhundverein seit 1966 die HD bekämpft. Damals waren statistisch belegt der Gordon Setter an erster Stelle HD-belastet, gefolgt vom Deutschen BoxerBelgische Schäferhunde mit ihrem geraden Rücken und leichtem Gewicht waren nicht gesünder als Deutsche Schäferhunde. 1998 wurde zur Ergänzung für die  Bekämpfung der Hüftgelenksdysplasie, eine komplizierte Zuchtwertschätzung (ZW) eingeführt, basiert auf die genetische Vererbungs- Wahrscheinlichkeit der HD innerhalb einer Hundefamilie. Die Zuchtwertschätzung wurde auf Fixwert von 100 gesetzt für alle in Deutschland geworfenen Hunde und durch ständige Überwachung des HD- Status auf die neuen Generationen. Dabei wird gemessen, ob der Zuchtwert eines einzelnen Hundes die 100 übersteigt oder nach unten sinkt, und zwar in Verbindung mit dem Zuchtwert der Mutternhündin, des Vaters und der Geschwister. Je niedriger der Zuchtwert (unter 100) ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer HD- Vererbung. Alle Ergebnisse sind öffentlich und jederzeit abrufbar. Kein anderer Zuchtverein (Züchter) investiert so viel für die Bekämpfung dieser genetischen und polyvalenten Krankheit. Seit 2002 wurde mit der Bekämpfung der Ellenbogendysplasie (ED) analog des HD- Verfahrens gestartet (auch auf Züchterkosten). Ab 2011 werden bereits bei den Welpen Blutaufnahmen für die DNA-Identifikation des Hundes und dessen Eltern durchgeführt zusammen mit der Einführung des Mikrochip anstelle der Ohrtätowierung (zur Info: immer noch auf Züchterkosten). HD ist eine polyvalente degenerative Lagerung der Hüften und wird bedingt verursacht durch genetische sowie auch durch Umwelteinflüsse. Ein ursprünglich gesunder Welpe kann durch unfachliche Aufzucht Hüftgelenkdysplasie entwickeln. In so einem Fall ist nicht der Züchter sondern der Hundehalter selbst verantwortlich. Der Deutsche Schäferhund ist mit seiner zahlreichen Population von der HD-Problematik am wenigsten betroffen. Um diese Rasse gewissenhaft zu züchten müssen weit mehr an Idealismus und Geld eingesetzt werden als von jedem anderen Liebhaberzüchter.

Schäferhundezucht ist kontrollierte Zucht

Die Mindestanforderungen für die Zucht von Deutschen Schäferhunden sind:

  1. Züchten nur mit HD-ED- Status zugelassene Hunde
  2. Jeder Wurf muss dreimal vom zuständigen Zuchtwart besichtigt werden.
  3. Die Welpen müssen mehrmalig entwurmt sein.
  4. Welpen müssen geimpft und mit Mikrochip versehen sein:Der Körmeister (oder Tierarzt) entnimmt bei jedem einzelnen Welpen eine Blutprobe für die DNA-Identifikation
  5. Röntgenaufnahmen für HD und für ED;  DNA  Kontrolle
  6. Eine Schaubewertung (viel Training ist angesagt)
  7. Begleithundeprüfung = Hundeausbildung als Familienhund und Fachwissen (Sachkunde – Hundeführerschein)
  8. Ausdauerprüfung = 20 Km mit dem angeleinten Hund im Trab neben den Rad (Training angesagt). Am Ende der Prüfungsstrecke, kurze Unterordnungsübungen als Test für die Arbeitbereitschaft des Hundes nach körperlicher Belastung.
  9. Schutzhundprüfung Stufe 1 (Schh1)  = besteht aus drei Prüfungen an einem Tag: Fährtensuche, Unterordnung (Obbedience), Schutzdienst (Verteidigung und Angriff).
  10. Kontrolle auf Korrektheit des Scherengebisses durch den Körmeister.
  11. Körung = Wesensüberprüfung, Schutzdienst, Schaubewertung im Stand und im Trab, Körpermessungen, Gewicht.

Heutzutage reichen solche Leistungen für Insider schon lange nicht mehr aus, sie erwarten von Zuchthündinnen „mindestens“ SchH-3, am besten noch mit „V“- Bewertung in einer Landsgruppen-Ausscheidung (LGA) zur Bundessiegerprüfung (BSP) ein „V“ in der Zuchtschaubewertung, aus bester Abstammung und selbstverständlich topgesund müssen sie  sein. Ach – beinahe hätte ich vergessen: der Zuchtwert muss unbedingt niedrig und der Vater von den Welpen sollte mindestens unter den ersten Plätzen in der BSZS (Bundessieger-Zuchtschau) oder in der BSP zu finden sein. Bei solchen Vorstellungen könnte eine künftige Zuchthündin meist erst ab dem 5. bis 7. Lebensjahr  in der Zucht eingesetzt werden (aus veterinärgynäkologischer Sicht eigentlich schon zu alt für einen ersten Wurf). Bei solchen Kriterien haben zahlreiche gute Züchter ihrem Hut abgegeben oder sie züchten andere Rassehunde, die nur eine Ausstellung und / oder eine Zuchttauglichkeitsbewertung nachweisen brauchen.

Deutsche Schäferhunde: Schwierige Zucht

Die Vereins-Ortsgruppen (SV-OG) verlieren zunehmend Mitglieder aus dem Schutzhundesport und / oder an Züchtern. Die Ursachen des Mitgliederschwundes sind zahlreich und einige davon finden sich in der Rassenspaltung zweier spezialisierter Zuchtrichtungen, die nach Nirgendwo führt. Die Züchtung beider Schäferhundvarianten basiert heute meist auf extrem sportlicher Leistungsfähigkeit des Hundes (Züchterbelastung), die mit Profisport vergleichbar ist und auch Einiges vom Hundeführer abverlangt, aber ohne Kostenabdeckung, also ein teures und zeitaufwendiges Hobby und Freizeitsport. Ohne Nachweis über die extremen Anforderungen der Zuchttiere werden deren Welpen im Insiderkreis nicht gekauft. Der Welpenmarkt ist übersättigt, so dass die Welpen oft zu lange bei den Züchtern verbleiben müssen.

Auch der Verein für Deutsche Schäferhunde verdient an seinen Züchtern, anstatt sie hilfreich zu unterstützen, wie es seine Aufgabe wäre: ein winzig kleines Inserat in der SV-Zeitung (Fachjournal für Mitglieder im Schäferhundeverein) ist weit überteuert. Für die Abstammungsurkunden der Welpen verlangt der Verein auch nicht wenig. Im Schäferhundverein wird das Doppelte und Dreifache verlangt als in jedem anderen Rassezuchtverein und manchem Liebhaber-Hobbyzüchter ist es nicht möglich solchen Anforderungen weiter nachzugehen.

Will man einen Wurf aufziehen bzw. züchten, muss der Hund entsprechend trainiert werden. Dafür ist man Abhängig von „Spezialisten“ für das Schautraining. Hat man keine solchen „Profis an der Hand“, so muss ein Freund oder Familienangehörige einspringen, (weil es unvorteilhaft ist, den Hund bei dieser Art Training und in der Schau selbst zu führen). Ist der Aussteller unerfahren, muss er sich damit begnügen und froh sein über eine Zuchtbewertung mit „Gut“, die in der Tat eine schlechte Note darstellt und dieses ohne Rücksicht über den tatsächlichen Formwert des Hundes. Unter solchen Bedingungen erhält ein selbst vorzüglicher Hund eine schlechte Note.  Dass ist unkorrekt und verärgert viele.

In der Schutzhundausbildung ist man wieder Abhängig von jemand anderen und zwar von dem „Figuranten“ (Schutzhundhelfer). Ist dieser Fachmann in seiner Arbeit gut und auch interessiert, dann sind die Chancen, eine Schutzhundeprüfung zu bestehen, auch gut. In der Praxis blieben unzählig gute Hunde ohne Erfolg „auf der Strecke “, mitunter auf Grund mangelnden Talents des Hundeführers in der Ausbildung oder das des Schutzdiensthelfers. Schäferhunde-Insider, die für sich einen Rüdenwelpen aus „bester“ Elternverpaarung aussuchen (als zukünftige Deckrüden) sind nicht bereit, den korrekten Preis dafür zu bezahlen im Vergleich mit anderen Rassehunden. Außer dem sind Menschen, die einen Familienhund suchen, mit dem Deutschen Schäferhund misstrauisch und skeptisch geworden. Auch Züchter sollten über die Entwicklung ihre Rasse bestimmen können, nicht nur Zuchtrichter und nicht der Hundesport. Seit geraumer Zeit existieren „Hochzüchter“ die versuchen, langsam zur offiziellen Standardgröße des Schäferhundes zurückzukehren. Auch einige Leistungszüchter sind mehr als zuvor bedacht, schöne Leistungshunde hervorzubringen. Erfolgreiche Sporthunde gibt es sehr, sehr viele, die Formschöneren unter diesen sind aber begrenzt.  Häufiger als früher finden sich im Hochzuchtbereich Verpaarungen zwischen schwarz-braunen Hündinnen und Leistungsrüden mit vorzüglichem Formwert und dunkler Farbe. Die Zucht des Deutschen Schäferhundes stellt für die Meisten eine ehrenamtliche (aufwendige) Tätigkeit für die Erhaltung eines Kulturerben dar. Mein Gedankengang führt mich zur Erkenntnis, dass es wohl angebracht wäre, wenn ein kleiner Interessenkreis seinen eigenen brauchbaren Schäferhund nach seinem Bedarf züchten könnte. Der Verein für Deutsche Schäferhunde müsste seine züchterischen Vorgaben (Züchterbelastung) reduzieren. Viele Rassezuchtvereine bieten in ihrer Homepage unter anderem, Hilfe für ihre Rassehunde in Not. Im der Homepage des SV erscheint hingegen eine Hundewelt ohne Probleme, daher gibt es auch keine Schäferhunde in Not. Das Motto des SV lautet: „die Rasse ständig verbessern“. Der Rassestandard blieb im Laufe von über 120 Jahren beinahe unverändert, während Generationen von Schäferhunden sich wie gewünscht verändert haben und doch stehen sie im Standard. Stellen diese heutigen Hunde tatsächlich eine Verbesserung dar? Handelt es sich um einen unpräzisen Standard? Nach diesem Standard stehen auch viele Weiße Schweizer Schäferhunde (ehemalige Deutsche Schäferhunde) im „Vorzüglich“. Trotzdem glauben einige Zuchtrichter (es sind nur Hochzucht-Richter), mit ein und demselben Körmaß Schauhunde und Leistungshunde gleichermaßen bewerten zu müssen. Prämierte V-Auslese-Hunde sollten die Perfektion des Standards und Ausdruckskraft des Deutschen Schäferhundes darstellen. Gemeinsam mit meiner Meinung und Kynologen im VDH (Experten für andere Rassehunde) stellen diese V-Auslese-Hunde eine Übertypisierung ihrer Rasse und Entfremdung des echten Deutschen Schäferhundes dar. Die Rasse lag bereits zwischen den 40igern und den 70iger Jahren an der Spitze seiner Beschreibung. Im SV Gremium wird die wahre Zuchtproblematik ignoriert und bis vor kurzem gleichzeitig im Vereinsmagazin über längere Zeit neue Züchter unter dem Motto „Mein erster Wurf“ vorgestellt, während Deutsche Tierheime mit der Vermittlung Deutscher Schäferhunde überfordert sind. Auch das Zuchtziel des jüngst gegründeten Schäferhundevereins „RSV 2000“ ist in diesem Sinne ein Fehlschlag: Herr Reiser möchte den Deutschen Schäferhund als Gebrauchshund erhalten, dennoch handelt es sich auch da noch immer um Sporthundezucht.  Nicht nur schwarz-braune große Hunde à la Kommissar Rex sind reinrassige Deutsche Schäferhunde, sondern auch andersfarbige Hunde, die für viele Menschen wie „schöne Mischlinge“ aussehen.  Die Selektion des Deutschen Schäferhundes durch Prüfungen (Ausstellungen gehören dazu) hat die Intensität seiner Triebe beeinflusst, aber nicht seine Seele. Egal ob mit langem oder kurzem Haarkleid, schwarz-braun, schwarz-gelb, hell- oder dunkelgrau, rein schwarz oder rein weiß, der Deutsche Schäferhund gehört immer noch zu der Rasse, die es verdient, Vorurteile zu überwinden, um wieder seinen Platz in der Gesellschaft als Familienhund einnehmen zu können – wie früher.

Eure Astrid Cordova

Weitere Informationen zu Dox vom Coburger Land: Die wahre Legende eines Deutschen Schäferhundes

Dox vom Coburger Land und Giovanni Maimone: Die wahre Legende eines Deutschen Schäferhundes

Dox vom Coburger Land entstammte aus bekannten und prämierten Ausstellungs- und Arbeits-Zuchtlinien (Schau- und Leistungshunde). In der damaligen Zeit gab es kaum Unterschiede zwischen „Schönen“- und Leistungshunden so wie dies heute der Fall ist. Dox war auf Menschengerüche geprägt und auf deren innere Stimmung. Niemand konnte ahnen, dass ausgerechnet dieses Team (der Ersthundehalter Maimone und Dox) das beste Polizei-Team aller Zeiten werden sollte. Der Begriff „Mantrailer“ war damals völlig unbekannt, so wie der Ausdruck „Spuren- oder Geruchsvergleich“. Was Dox mit seinem Geruchssinn schaffte, war sensationell und wäre es selbst heute noch.

Dox vom Coburger Land: Die wahre Legende eines Deutschen Schäferhundes