Wolfshunde

Die tschechoslowakischen und holländischen Wolfshunde sind zwei vom FCI anerkannten „Hunderassen“ obwohl beide ursprünglich aus Hybridennachkommen von westeuropäischen Wölfen und Deutschen Schäferhunden entstammen. In Italien existieren ebenso zwei „Wolfshunderassen“: der eine wird „Cane da Pastore Italiano“ bzw. „Pastore Italiano“ („Italienischer Schäferhund“) und der andere „Cane Lupo Italiano“ auch „Lupo Italiano“ genannt („Italienischer Wolfshund“ oder „italienischer Wolf“).

Der Holländische Wolfshund (Saarloos)

Der Gründer des holländischen Wolfshundes, Herr Leendert Saarloos, wünschte sich mit der Kreuzung aus Deutschem Schäferhund und Wolf eine Verbesserung des Deutschen Schäferhundes als Gebrauchshund. Der erste Hybridenwurf wurde weiter mit Deutschen Schäferhunden verpaart und nach zehn Generationen wurden diese Nahkommen als „Rassehunde“ vom FCI anerkannt. Meiner Meinung nach stellt der Saarloos (Holländische Wolfshund) mit seinen Wesenseigenschaften immer noch einen Hybriden dar, dessen Anerkennung als Rassehund nicht angebracht wäre. Bei Spaziergängen habe ich einige Saarloos gesehen, die alle scheu und von Fluchverhalten geprägt waren. Also keinesfalls den Eindruck erweckten, es handle sich um einen gut gezüchteten oder gar verbesserten Rassenhund. Damit möchte ich nicht sagen, dass alle Saarloos so sind, wie die, die ich gesehen habe. Sicherlich stehen manche von ihnen genetisch dem Schäferhund näher als dem Wolf und zeigen ein stabileres Wesen. Trotzdem werden hier tausende von Jahren Domestikationsentwicklung über wenige Generationen abgekürzt.

Der Tschechoslowakische Wolfshund

Der Tschechoslowakische Wolfshund entstand ursprünglich unter einem anderen Zuchtziel als der Holländische: er sollte als wachsamer Grenzschutz dienen, meist nachts im Rudel. Diese Hybriden dienten als reine Militärhunde zum Schutz des Kommunistischen Landes. Selektiert wurde nach Aggressionspotential und der Bereitschaft, Menschen anzugreifen. Hierfür wurden Deutsche Schäferhunde der Zuchtstätte „z Pohranicni  Straze“ eingesetzt, wobei angenommen wird, dass der Stammvater des Tschechoslowakischen Wolfshundes der erfolgreiche Deckrüde „Grimm z Pohranicni Straze“ war.

Auch wenn tschechoslowakische und holländische Wolfshunde in ihrem äußeren Erscheinungsbild sehr ähnlich erscheinen, so unterscheiden sie sich im Wesen. Beide benötigen erfahrene Hundehalter.

Der Italienische Wolfshund bzw. Italienischer Wolf

Die Entstehung des Cane Pastore Italiano begann nach Angaben des zuständigen Zuchtvereins ca. 1975, als der Gründer dieser Rasse, Herr Accettella, bemerkte, dass auf der apenninischen Bergkette von der Toskana über Marke bis Latium und Umbrien übermittelgroße schwarze schäferhundähnliche Hunde bei Schäfern und Rinderzüchtern lebten. Nach seiner Aussage sollen diese Hunde sehr intelligent gewesen sein, mit ausgeglichenem Temperament und im Wesen „keine Spinner“! Solche schwarzen Hunde erinnern im Aussehen an den Hovawart. Woher sie kamen bleibt ungewiss, nur dass sie aussahen wie Hunde aus Mischformen zwischen schäferhundähnlichen und doggenartigen (Lupoiden - Molossoiden). Herr Accettella ist der Meinung, das diese schwarzen Apenninenhunde aus dem Italienischen Wolf (eigene Unterart) und doggeartige Hunden, (Cane Corso?) entstanden. Er erwarb einige solcher Hunde und begann seine Zuchtselektion, so dass er in den Neunziger Jahren diese neu entstandene Rasse als Cane da Pastore Italiano (Italienische Schäferhund) ernennen konnte. Im Jahr 1997 wurde deren Rassestandard festgelegt und erhielt die Anerkennung von Dissidentenzuchtvereinen. Der italienische Dachverband ENCI und der Internationale Dachverband FCI anerkennen die Rasse nicht. Fotos und Videos des Cane Pastore Italiano können im Internet gesehen werden.

Die Geschichte des Cane Lupo Italiano beschreibt eine eigene zufällige Laufbahn: nach seinem Gründer, Dr. Mario Messi wurde im Jahr 1966 aus einer italienischen Wölfin aus Latium ein Welpenrüde namens Zorro geworfen. Der Vater dieses Wurfes war ein Deutscher Schäferhund. Zorro wurde als Deckrüde eingesetzt und gilt als Stammvater des Lupo Italiano. Die Bezeichnung Lupo italiano (Italienische Wolf) ist eigentlich nicht angemessen, weil so der echte italienische Wolf (Canis lupus italicus) als eigene Unterart benannt ist, der sich von spanischen und osteuropäischen Wölfen differenziert. Die zuständige „Zuchtgemeinschaft zum Schutz des Italienischen Wolfes“ (bzw. Cane Lupo Italiano) wollte keine Anerkennung als Rassehundezuchtverein im Sinne des FCI erwerben, sondern nur die staatliche Anerkennung als gemeinnütziger Zuchtverein „eines gelungenen genetischen Mischresultats“ einzigartiger und wertvoller Arbeitshunde. Der Verein ist bestrebt den Lupo italiano gezielt nach DNA-Verfahren zu züchten und ohne Profit, lediglich zu Gunsten der Gesellschaft im Dienstleistungsbereich.

Diese Hunde werden daher nicht an jeden beliebigen Interessenten vermittelt, sondern nur an gemeinnützige Institutionen wie z.B. dem Rettungshundewesen. Mit einem Verwaltungsakt, unterschrieben vom italienischen Staatspräsident, ist es Herrn Mario Messi gelungen, seine Hunde rechtlich schützten zu lassen. Nach ca. dreißig Jahren gezielter Verpaarungen unter genetischem Zuchtverfahren und unter Berücksichtigung der Prioritäten auf ein ausgeglichenes Wesen, stabilem Nervenkostüm und menschlicher Akzeptanz, konnten die gewünschten Eigenschaften fixiert werden. Bei dem „Lupo Italiano“  ist die gewerbliche Zucht, wie erwähnt nicht erlaubt, so wie eine unkontrollierte Vermehrung außerhalb des zuständigen Vereins. Die italienische Grenzpolizei und Forstaufseher bevorzugen überwiegend die Begleitung des Cane Lupo Italiano weil er „in jeder Situation sicher und zuverlässig ist“.  Der Lupo Italiano ist präsent als Lawinen-Rettungshund, bei der Trümmersuche und auf der Fläche, um Menschen und Tiere zu erstöbern. Derzeit bestehen konstant ca. 500 Exemplare solcher Hunde, wie angegeben. Der Lupo italiano ist dem so genannten grauen Deutsche Schäferhund aus Sport-Leistungs-Zuchtlinien sehr ähnlich, robust, schnell, ausdauernd und mit feinen Sinnesorganen ausgestattet. Nach Rassebeschreibung ist sein Charakter geprägt von triebhaftem Temperament, Dominanz und Selbständigkeit. Er unterordnet sich seinem Menschen freiwillig. Mit seinen Bezugpersonen ist er liebevoll, loyal und anhänglich, gegenüber Fremden verhält er sich eher misstrauisch. Diese Hunde besitzen einen natürlichen Wach- Schutztrieb, weshalb sie auch als Diensthunde geeignet sind.

Angeblich soll die gezielte Züchtung des Cane Lupo Italiano eine ausgeglichene Population erzeugt haben, mit den besten ursprünglichen Qualitäten des Deutsche Schäferhundes und des italienischen Wolfs. Kritiker aus unabhängigen Institutionen und aus der Politik stellen das korrekte Vorgehen des zuständigen Vereins (ETLI) in Frage, als allein berechtigt für die Zucht und Vermittlung des „Lupo Italiano“. Nach Recherchen eines Parlamentariers wird der Vereinigung des „Italienischen Wolf“ bzw. „italienischen Wolfshundes“ vorgeworfen, die Buchführung von angeblichen genetischen Studien (staatlich finanziert) für die planmäßige Zucht nicht öffentlich darzulegen. Die Kritiker des Lupo Italiano-Projekts versuchen so die Staatliche Finanzierung in Millionenhöhe zu stoppen. Die Proteste wurden erhoben, nachdem eine unabhängige Laboruntersuchung bewiesen hatte, dass der genetische Unterschied zwischen dem „Lupo Italiano“ und dem Wolf genau der gleiche ist wie der von allen anderen Rassehunden bestehende zum Wolf auch. Demnach handelt es sich bei ihm in den Augen von Kritikern um einen normal domestizierten Rassehund, wie etwa Pudel oder Bernhardiner. Ausführlichere Infos über den Cane Lupo Italiano können aus dem Internet entnommen werden, siehe auch Homepage des „Ente per la tutela del Lupo Italiano“ (ETLI) unter www.lupoitaliano.it oder Wikipedia in deutscher Sprache.

Meine Gedanken dazu: 

Ich bin kein DNA- Experte und möchte mir nicht anmaßen, zu den einen oder anderen Versionen Stellung zu nehmen, auch weil ich selbst nie einen solchen Hund „life“ gesehen habe. Wenn die Geschichte des Cane Lupo Italiano wie dargestellt ablief und nach dreißig Jahren „gezielter“ Verpaarungen (mit Deutschen Schäferhunden) das ursprüngliche Wolfserbgut überschattet wurde, bleibt meine Frage: brauchen wir wirklich Hybridenhunde, wenn voll domestizierte Gebrauchshunderassen, die ständig durch Leistungsprüfungen genetisch selektiert werden, schon lange zur Verfügung stehen? Welcher Hundekenner wäre in der Lage, einen direkten Wolfshybriden von einem Saarloos zu unterscheiden? Als Kynologe bin ich von Hybriden aus Wildhunden und domestizierten Hunden nicht begeistert, ebenfalls empfinde ich die Anerkennung solcher als „Rassehunde“ durch Zuchtvereine als nicht korrekt. Hunde gewissenhaft zu züchten ist alles anderes als preisgünstig. Große Hunde wie den Cane Lupo Italiano zu züchten, um dann die Welpen verschenken zu müssen, ist eine teure Angelegenheit: wer kann so was finanzieren? Der Staat? Und wofür? Der Gründer Dr. Mario Messi meinte: „Ich war Millionär und für diese einzigartige Rasse bin ich jetzt Pleite …!“

Eure Astrid Cordova